Mittwoch, 22. Juni 2011

Warum?

Eigentlich predige ich immer "Frag nie warum, denn darauf gibt es keine Antwort, es ist Zeitverschwendung und bringt dich im Leben nicht weiter" und das predige ich nicht nur, so lebe ich auch, aber es gibt Zeitpunkte, selten, aber es gibt sie, da frage ich mich sehr wohl nach dem warum.

Warum gibt es Menschen denen kaum etwas schlimmes im Leben passiert, nichts außergewöhnlich schlimmes jedenfalls und dann gibt es Menschen die eine (sorry) Scheiße nach der anderen, ihr Lebtag durch erleben, warum? Ist das nicht ungerecht bzw warum ist das denn so und da denke ich nicht einmal an mich selber, sondern so insgesamt!

Manche kamen gut durch die Kindheit, haben ne schöne Jugend, alles verläuft mehr oder minder reibungslos und dann gibts die, die einen Schicksalsschlag nach dem anderen erleben, nie zur Ruhe kommen und hart kämpfen um nicht unter zu gehen. Aber dazwischen?

Ich lese das ja auch bei anderen, es gibt die, die haben zwar auch hier und da mal ein Problem, oder es wird mal wer aus der Familie krank, aber so im normalen Rahmen und dann liest man von denen, die einen Schicksalsschlag nach dem anderen haben... kapiere ich nicht.

Heute hatte ich einen miesen Tag, ich meine vielleicht kann man sich das nicht denken, ich postete ein nettes Rezept, habe die Polypenknospendiagnose das alles ok ist, also warum mieser Tag?

Weil manchmal viel mehr in einem passiert, als außen herum und so war das heute.
Ja meine Polypen waren gut und dafür bin ich endlos dankbar, aber nach der Polypendiagnose ist vor der Polypendiagnose, immerhin weiß ich genau das genau jetzt gerade, in diesem Augenblick wieder welche wachsen.

Aber ok, das bekomme ich ja noch verarbeitet, irgendwie... aber dann kams dicke :(

Ich soll ja Zucker meiden, weil der gären kann in meinen letzten 12cm Dickdarm, also Süßstoff und ich darf keine Laktose (wer nun beim lesen genervt ist, soll sich mal ausmalen wie es mir damit geht!" und was war? Ich bekam einen Anfall aus: "ICH BRAUCHE ETWAS SÜSSES!!!" ich wurde wahnsinnig, also bettelte ich meinen Mann schnell zum Bäcker oder so zu gehen und mir etwas zu besorgen, also zum Essen zu besorgen und ich ging nicht selber, weil ich sonst gesündigt hätte.
Wir haben ja den tollen Bäcker mit der laktosefrei Liste in der Kasse, Fazit ist, Süßes hat alles Laktose, also ging mein Mann in den Supermarkt, er watschelte darin herum, schaute dies und das an (er sagte mir nichtmal was genau, wollte ja nicht das ich das auch noch innerlich vor Augen habe) und er meinte, überall sei Laktose drin gewesen, also brachte er mir meinen Joghurt mit, den ich mit Marmelade selber anrühre und nicht mehr sehen, geschweige denn essen kann und einen Becher Götterspeise Waldmeister, hat aber vergessen das der Durchfall macht, warum auch immer. Den futterte meine Jüngste weg, aber meine Stimmung war, ich mag es kaum sagen, mehr als unterirdisch, das erste mal fragte ich mich, ob es nicht langsam an der Zeit ist, Depressionen zu bekommen.

Mal im Ernst (der arme Ernst hat aber viel drin, wenn immer alle schreiben "im" Ernst...) , ich war es immer, die meinte das ich ja nicht auf soooo viel verzichten muss, aber in den letzten Tagen erwischte es mich wirklich. Nicht nur das leckere Durchfallwunderpoauafrühstück, auch fragte mich eine Freundin ob ich mit komme zum feiern und kurz darauf (war nicht böse gemeint, sonst mache ich die harten und gemeinen Scherze) "Kannst auch meine abgestandenen Getränke haben, wenn die Kohlensäure raus ist" aber wie sehr sie mich in dem Augenblick damit traf, wußte sie nicht, ahnte sie nicht, wie auch... aber ich saß am gleichen morgen ja noch vorm Frühstückstisch und schaute darauf, lauter super leckere Sachen, aber eben mit Laktose, zu fettig, zu scharf, zu zu zu...
Dann überlegte ich im Bruchteil einer Sekunde was ich denn trinken kann, wenn man abends aus geht und es darf ja kein Alkohol drin sein, keine Kohlensäure... was bleibt denn da?

Heute macht ich mir aus lauter Wut und Verzweiflung ein Brot mit Mageriene und etwa zwei Esslöffel voll Schokostreusel, da ich einen Doppeldecker machte und ich wußte ja das Laktose in den Schokostreuseln ist, dachte aber das das hoffentlich nun nicht sooo viel ausmacht und was ist? Rumpeldipumpeldi und wässriger Durchfall... ich meine jetzt mal im ernst, mein Körper stellt garkeine Laktase mehr her und dann mal bitte weiter denken, ich lag ja im Krankenhaus wegen meiner Bauchspeicheldrüse, die ist ja für all das verantwortlich, ich darf ja deswegen nicht zu fettig und keinen Alkohol mehr, ich habe langsam echt Angst das die ihre Dienste einstellt und dann?!?

Ich muss echt einen Termin bei meiner Ärztin machen und sie fragen ob man diese Drüse mal testen kann, was und wieviel sie noch macht, als wäre meine Darmgeschichte nicht schon genug...

Also nochmal im armen Ernst, ich habe durch diese Darmgeschichte viel Leid in meinem Leben gehabt, angefangen bei meiner Mutter die ja so früh daran starb und die viele Angst die ich hatte, bevor ich letztes Jahr zu meiner Untersuchung ging.

Ich habe drei Kinder, aber hey ich bin 29 und natürlich fragte ich mich, ob ich noch welche bekommen möchte, aber dann kam die Diagnose und damit waren meine Gedanken abgesäbelt worden und nun sehe ich hier eine Schwangere, dort ein Baby, ich liebe Kinder, ich liebe Baby's und ich finde es derzeit belastend mich mit dem Gedanken abfinden zu müssen das das nichts mehr wird.
Eigentlich sagte ich immer penetrant: "Ich habe drei Kinder, das reicht mir, danke!" aber wenigstens war der Gedanke da, dass ich ja welche kriegen könnte , wenigstens köööööööönnte, obwohl ich ja nicht wollte und nun ist das könnte gestrichen und das wars!

Bevor ich die Diagnose hatte, war ich wie jedes halbe Jahr bei meiner Ärztin und erkundigte mich noch wegen einer Sterilisation, erfuhr das man die erst ab 30 Jahren machen darf und dann kostet sie mindestens 600 Euro, also ich wollte wirklich keine mehr bekommen, aber ich wußte nicht wie sehr mich dieses könnte betroffen macht, wenn es weg ist.

Derzeit frage ich mich nach dem warum. Warum hatte meine Schwester so früh einen Unfall und vermieste mir meine Kindheit und Jugend? Warum musste meine Mutter so früh sterben? Warum wurde mir gesagt das ich wahrscheinlich die Genkrankheit nicht habe und deshalb bekam ich gedankenlos Kinder? Warum reicht es nicht das ich die Darmkrankheit habe? Warum kommt die Bauchspeicheldrüse noch dazu? Warum die Laktoseintoleranz? Warum, warum, warum?

Eigentlich kann und sollte ich glücklich sein, meine Darm OP war ja kurz bevor ich Krebs bekommen hätte und ich habe sie nur wegen lauter dummer Zufälle machen lassen, die sich als Glücksfälle heraus stellten und die OP verlief super gut und so weiter. Ich habe drei gesunde Kinder (hab den Gentest noch nicht machen lassen) und hatte "nur" eine Fehlgeburt.
Eigentlich läuft es ja garnicht so schlecht, so schlimm, es könnte ganz anders sein, eigentlich habe ich es immer wieder gut getroffen und immer wieder wirklich großes Glück gehabt, aber warum kann ich dann jetzt, in diesem Augenblick das Glück nicht mehr greifen, obwohl ich es mir immer innerlich bewahren konnte und wo ist es nun hin?

Ich muss vermutlich dringend mehr meditieren, Zeit für mich nehmen und mir wieder das ins Gedächtnis rufen was wirklich wichtig ist und das sind nicht die Antworten auf warum Fragen, sondern die vielen glücklichen Momente, die ich derzeit nur verschwommen sehen kann...

Kommentare:

  1. Das Warum kann dir vermutlich keiner beantworten - aber das weißt du ja schon. Manchmal darf man ruhig auch motzen und richtig Schei*e drauf sein - sich selbst zu zwingen oder sich einzureden, dass alles immer super ist - ist auch nur gelogen ;)
    Wichtig finde ich, den Kopf dann wieder hochzuheben und weiterzugehen - bei vielen, die auf den ersten Blick immer auf der Sonnenseite des Lebens spaziert sind, ist es vielleicht doch nicht immer so - natürlich gibt es aber auch das eine oder andere Glückskind. Aber da zu fragen Warum und Wieso, macht, denk ich, gar keinen Sinn!
    Du hast schon viel durchmachen müssen in deinem Leben und klar geht gibt es Menschen, denen geht es noch schlechter, aber davon gehts dir auch nicht besser ;) Lass die schlechte Laune raus und dann kommmt hoffentlich bald der Part mit dem Kopf hochstrecken und weitergehen...

    Du bist eine starke Frau, finde ich!

    Liebe Grüße nima

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  2. Ich wünschte, ich könnte Dir etwas Tröstliches schreiben, nur gibts da nichts rechtes. Ich denke, ein jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen. Auch die, die immer auf der vermeintlichen Sonnenseite zu stehen scheinen, haben auch die ihren. Im Gegenteil zu anderen reden, bzw. schreiben sie nicht darüber.

    Ich kenne auch solche Tage, an denen ich entweder am liebsten gar nicht aufstehen würde, schreien, oder heulen könnte. Auf der anderen Seite bin ich dankbar für das was ich habe, ganz besonders für meinen Sohn und versuche aus jedem Tag das Beste heraus zu holen.

    Ich wünsche Dir, dass Dein Blick schnell wieder klarer wird und Du die guten, glücklichen Momente wieder besser wahrnimmst.

    Liebe Grüsse, Manuela

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  3. Du hast wirklich viel erlebt, erleben müssen. Das tut mir ganz aufrichtig leid. Was Krankheit bedeutet, das weiß ich....
    Ja, WARUM...hat kein Sinn das zu fragen...
    Ich schreie ab & an, heule...das ist auch gut so...wenn ich das nicht mache, dann werde ich schnell anderen gegenüber ungerecht!
    Schönes Wochenende für Dich
    Liebe Grüße
    Björn

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