Montag, 13. Juli 2015

Das böse Wort mit K

Irgendwie ist gerade wieder so eine Phase, in der man überall "Diagnose Krebs" liest.

Hat man einmal Krebs, hat man immer Krebs sagte mein Vater immer und meist hat er Recht damit. Viele bekommen den Krebs los, machen Chemo's und Bestrahlungen, manchmal nur ein paar Monate, manchmal Jahre später ist er wieder da.

Ich selber hatte keinen Krebs, war nur kurz, sehr kurz davor, so kurz davor das meine Ärztin die ich damals kaum kannte Pipi in den Augen hatte.

Mein Krebsrisiko ist durch die permanent wachsenden Polypen im Dünndarm erhöht und sowieso hat man mit FAP bei allen Verdauungsorganen eine Risikoerhöhung und als Frau auch noch in der Gebärmutter und bei den Eierstöcken. Ich bin sehr froh, dass ich nur noch einen Eierstock habe, aber die Angst bleibt.

Der Dünndarm kann ja nicht komplett gespiegelt werden, sondern nur ein Stück von unten, ein Stück von oben und man hofft, dass man schön weit rein kommt.


Vor meiner FAP Diagnose hatte ich ein normales Leben und ging so gut wie nie zum Arzt, außer es war was ernstes.

Krankenhäuser waren mein persönlicher Begriff von Horror und meine Nadelphobie war so ausgeprägt, dass ich lieber verblutet wäre, als dass ich mich hätte pieksen lassen, aber das war für mich in Ordnung, gab ja kaum einen Grund, weshalb jemand seine Nadel in mich rammen wollte.

Bis mit der Diagnose mein persönlicher Horrorfilm begann, ich dem ich leben musste.

Nicht missverstehen, ich bin dankbar das ich lebe, ich bin froh das ich die Diagnose noch rechtzeitig bekam, aber für jemanden der wirklich Angst vor Krankenhäuser, Behandlungen und Co hatte, hat es mich voll erwischt.

Naja das Gute daran ist, ich habe keine Angst mehr. Heißt es wieder das eine OP ansteht, ist es mir fast egal. Heißt es, ich muss gepiekst werden, habe ich zwar Angst, halte aber still und ertrage es. Muss ich mal wieder zum Arzt, bin ich genervt, habe keinen Bock, mache es aber.

Aber man stellt sich sein Leben ja schon was anders vor, als alles mögliche durchmachen zu müssen, vor dem man totale Panik hatte.

Immer wenn ich mich was entspannen will und auf einen anderen Lebensbereich mich stürzen möchte, kommt wieder was dazwischen. Wenn ich jetzt wieder das Bedürfnis habe, ist mein 2. Gedanke: "Was passiert diesmal, das es verhindert?"

Wenn ich gefragt werde, ob ich mal wieder da und da hin komme, zum Besuch in eine andere Stadt, sage ich lieber ab, weil ich Angst habe, dass zum Beispiel wieder ein Darmverschluss kommt und ich dann nicht in irgendeinem Krankenhaus landen möchte, wo man meine Vorgeschichte nicht kennt.

Urlaub fahren? Ich möchte nicht... zum einen wegen unserer Katze, die lange brauchte um sich einzugewöhnen, aber auch, weil ich Angst habe dort dann krank zu werden.

Und jetzt gerade, wo man wieder überall Krebs liest, wo alle in den Urlaub fahren und unbeschwert sind, da fällt es mir mal wieder so richtig auf.

Wie war es früher, davor... wie ist es jetzt...

Danke das ich leben darf, schade das ich es nicht so kann, wie ich gerne gewollt hätte.

Schade das einem nichts erspart geblieben ist und man so abgestumpft wurde.

Ich wünsche dennoch allen anderen schöne Urlaubstage und genießt Eure Zeit :)


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