Sonntag, 26. Juli 2020

Ein Jahr Bonn

Nun leben wir etwa ein Jahr in Bonn.

Davor 15 Jahre in Leverkusen.

Was ist in dem Jahr passiert?









Ich war öfter in der Rheinaue, eine Wiesenlandschaft mit kleinem Teich, auf dem man Tretboot fahren kann und Enten füttern, Nutrias beobachten und einen mini kleinen japanischen Garten bestaunen kann.
Vor Corona war dort immer der größte Flohmarkt, den ich je gesehen habe!

Ich habe ein wunderhübsches Cafe gefunden, in dem ich sehr gerne sitze und Leute beobachte. Im Haus gegenüber steigt einer regelmäßig aus dem Fenster, dann über den Gartenzaun und geht. Warum er das so macht, fand ich noch nicht heraus. Vielleicht verlor er vor Ewigkeiten seine Haustürschlüssel? Jedenfalls machte er es mehrfach mit zeitlichem Abstand von Wochen.

Ich war bei jedem Bücherschrank im Umkreis und habe sogar einen nahezu direkt vor der Haustüre.

Ich habe mich mit vielen SUV Muttis angelegt und sogar herum gebrüllt.

Ich habe eine wundersüße Buchhandlung gefunden, in der eine sehr liebe Inhaberin ist und eine kleine Teeecke mit zwei verschiedenen Kuchen betreibt.

Ich habe eine Teestube gefunden, die über einem Teeladen ist und sich in einem Fachwerkhaus befindet und sooo schön ist.

Ich habe meinen Lieblingsburgerladen gefunden und verloren, da ist nun ein anderer drin, bei dem ich noch nicht war.

Ich wurde vom Kater adoptiert als Lieblingsmensch und sehe ihn als meinen kleinen Schatten an.

Ich habe mich fast mit einer McDonalds Mitarbeiterin geprügelt und mich geweigert, dort nochmal hinzugehen, was in etwa drei Wochen hielt.

Ich habe meinen Büchervorrat nahezu verdoppelt und trotz neuer Regale zu wenig Platz für sie.

Ich habe regelmäßig Heimweh, aber das Heim existiert nicht mehr, was umso mehr weh tut.

Ich habe sooo viele Oldtimer gesehen und die meisten davon waren Bullis, die ich sehr liebe.

Ich habe erlebt neu im Haus zu sein und erlebte mit, wie zwei weitere "Neue" eingezogen sind.

Ich habe die leckerste Lasagne überhaupt gefunden.

Ich bin an einem meiner ersten Tage mit dem Vorderrat meines Fahrrades in die Straßenbahnrille geraten und hab mich übel aufs Maul gelegt, aber großes Glück gehabt und nur Schürfwunden und eine Beule bekommen und wurde dadurch offiziell als Bonner aufgenommen, denn das gehört dazu und danach ist man ein Teil davon.

Ich bin an Bonn 17 vorbei gefahren und habe den Straßenstrich bewundert und war enttäuscht, weil ich es mir irgendwie aufregender vorgestellt hatte und dann nur Damen sah, die so bekleidet war, wie die Jugend heute in die Disco den Club geht.

Ich habe einen Balkon erschaffen, der eine Mischung aus Kräutergarten und Blumenbeet ist und jeden Tag unser Herz erfreut.

Ich habe den halben Ikea leergekauft und noch immer nicht genug.

Ich war das erste mal seit vielen Jahren wieder in einem Wellebad.

Ich bin pitsche patsche nass im Regen spaziert.

Ich habe in den Sternenhimmel geblickt.

Ich habe um Menschen geweint.

Ich habe gelebt und erlebt.



Habe ich eine Heimat gefunden?
Nein, noch nicht, aber einen alten Baum verpflanzt man nicht so leicht.

Fühle ich mich wohl?
An manchen Tagen mehr, als an anderen.


Ein Umzug in eine andere Stadt ist nie einfach und umso länger man vorher an einem Ort war, umso schwieriger wird es.
Man muss im Kopf bereit sein und aktiv daran arbeiten die neue Stadt zu mögen und damit tue ich mich nach wie vor schwer, weil mir meine alten Gewohnheiten fehlen.



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