Mittwoch, 8. Juli 2026

Die Natur hat mich geküsst

Vorab, setz Dich gemütlich hin, gönn Dir ein paar Minuten Ruhe, eine kleine Auszeit und atme mal tief durch. :)

Übrigens, nur am Rande: Ich hatte heute in der Bahn ein kleines Post-it auf dem Tischchen hinterlassen, auf dem stand: „Lächle doch mal wieder, es steht Dir. :)“

Ich hoffe, dass es jemandem eine kleine Freude bereitet hat.

So, aber warum ich um diese Zeit noch schreibe. Es kann einfach nicht bis morgen warten!

Ich bin heute mit der Bahn nach Bergisch Gladbach gefahren, weil dort der einzige Buchladen war, in dem es noch ein älteres Jens-Hübner-Buch gab, das mir fehlte, und ich wollte keine 45 Euro oder mehr bezahlen. Ich glaube, dass es nun keins mehr gibt … Jedenfalls stand dort „Abholung in der Filiale“. Kein Versand oder so. Klar, es gibt auch ein E-Book, aber ich habe alle Bücher von ihm real, also musste das noch her! Direkt bestellt, bezahlt, zurücklegen lassen und dann fuhr ich, wie gesagt, heute nach Bergisch Gladbach dafür.

Ich hatte wenig Zeit, weil ich noch meine geliebte Leseratte treffen wollte, aber ganz ehrlich, es war wirklich schön dort und der Thalia hat eine tolle Auswahl! Gehe ich sicherlich nochmal hin. :)

Dann hatte Leseratte was in Köln zu tun, deshalb wollte ich ihn ja treffen und so unter uns Gebetsschwestern, ich hatte zu dem Zeitpunkt echt keinen Bock mehr! Es war heiß. Ich bin lichtempfindlich und bekomme schnell einen Sonnenbrand. Ich hatte Hunger, deshalb eine Laugenstange gegessen, die unverschämt teuer war und nicht einmal gut schmeckte, und viel getrunken, also auch die Sorge, dass ich auf die Toilette muss und ich war in der Pampa.

Mit einer echt unterirdischen Laune bin ich ausgestiegen. Dort in der Nähe ist ein kleiner See. Ich kannte ihn schon, weil ich im frühen Frühjahr, als es noch kalt und regnerisch war, dort herumgewandert bin. Das war eigentlich damals echt schön! Ich hatte sogar Küken gesehen, die ich vollkommen vergessen hatte, bis ich nun die jungen Gänse sah, die daraus gewachsen sind! Wahnsinn!

Also mit mieser Laune aus dem klimatisierten Auto raus, über die heißen Wege gelatscht und keinen Schatten gehabt, weil Mittagszeit, und dann sehe ich es. Das ganze Wasser, den See!

Ich wuchs am, nein, IM Bodensee auf. Ich lernte im Bodensee schwimmen. Ich verbrachte meine Kindheit und Jugend im See. Ich bin eine geborene Wasserratte! Ich liebe Wasser einfach! Immer werde ich ganz hibbelig, wenn ich zu einem See fahre oder ins Schwimmbad. Als ich klein war, sind wir mal im Winter oder, lass es extrem frühen Frühling gewesen sein, am Bodensee spazieren gewesen und klein Nici wollte unbedingt im See schwimmen. Der hatte, glaube ich, 7 Grad? Mein Vater sagte, es sei viel zu kalt dafür! 

Meine Mutter war noch zu Hause geblieben, es ging ihr nicht gut und ich heulte und jammerte und meine Geschwister und mein Vater erklärten nochmal, wie kalt es war und wir hatten ja kein Schwimmzeug und Handtücher dabei, stattdessen dicke Jacken an. Na ja, was ich von meinem Vater gelernt habe und an meine Kinder weitergegeben habe, war, dass man nicht lange mit Kindern diskutieren sollte und sie einfach ihre eigenen Erfahrungen sammeln lassen sollte, weil sie so schneller und mehr lernen und durch Konsequenzen Entscheidungen überdenken. Halt, nicht überreagieren, ich meine natürlich keine gefährlichen Dinge, allerdings zählt ein kalter See nicht zu einer Gefahr und mein Vater dachte, wenn ich den „dicken Onkel“ (so nannte man früher den dicken Zeh) reinhalten würde, hätte ich vermutlich bereits genug, also meinte er mit stolz geschwellter Brust, dass ich es ja ruhig versuchen könnte und sicher selber bemerken würde, dass das Wasser keine Temperatur für ein lauschiges Planschen haben würde und was soll ich sagen? Klein Nici war der glücklichste schwimmende Mensch im Bodensee, in dem Moment! 

Bis wir heimkamen und meine Mutter fragte, warum ich nasse Haare habe, mein Vater alles erklärte, sie die Hände über dem Kopf zusammenschlug und eine nahende Erkältung prophezeite. Ob sie jemals kam, die Erkältung, weiß ich nicht, zumal mein Vater nicht müde wurde zu erklären, dass man nicht von nassen Haaren krank wird, sondern wenn das Immunsystem geschwächt ist, die nassen Haare die Wärme schneller ableiten und man dann eher krank werden kann bzw. die Krankheit ausbrechen kann, die bereits in den Knochen steckte. Ich habe nie einen Faktencheck gemacht.


So, also da war dieser kleine See heute, die groß gewordenen Enten, die Sonne, die das Wasser glitzern und mich brutzeln ließ und ich zog mir die Schuhe aus, legte mein Körbchen ab, ging bis zu den Knien ins Wasser und war so glücklich in dem Moment!

Ich stand einfach da, die Füße angenehm frisch, den Kopf Richtung Himmel gerichtet und genoss den Moment. Vollkommen.

Und dann, als wäre das nicht schon wundervoll genug gewesen, wehte ein Wind. Kräftig. Kühl. Er wirbelte meine Haare herum und ich fühlte mich wirklich gesegnet. Ich dachte wirklich, dass das der perfekte Moment ist und dieser Wind ihn vollkommen gemacht hat. Sicher stand ich einfach so zehn Minuten oder länger da.

Dann kamen die Enten, Gänse, Haubentaucher usw. Immer näher, schauten mich an, schwammen an mir vorbei, total nah, bis zu 2 m Abstand nur und ich fühlte mich wie eine Disney-Prinzessin.

Das war wirklich einer der schönsten Momente, die ich seit sehr langer Zeit hatte.

Dennoch schien ja die Sonne und ich bin wirklich empfindlich, also setzte ich mich in den Halbschatten, mehr stand mir nicht zur Verfügung, vergrub meine Füße ein wenig in den Sand und blätterte durch das frisch gekaufte Buch. Ich habe ja gesagt, dass es von Jens Hübner ist, aber der Titel ist eigentlich egal, weil wirklich alle seine Bücher toll sind, auch wenn man nicht malt, weil sehr viele seiner Werke darin sind, die immer sehenswert sind und es sich alleine schon dafür lohnt!

Just als ich mein eher neues, aber heiß geliebtes kleines Skizzenbuch in die Hand nahm, gerade versuchte, den See etwas einzufangen, wobei ich noch nie viel mit Aquarellstiften gemacht hatte und es eher ein Herantasten an das Material war, meinte eine Entendame, sich genau vor mir planschend baden und putzen zu müssen!


Ich bin so alt, dass ich lieber selber hinschaue, als durch die Kamera zu blicken, also sind die Bilder nicht soooo toll geworden, aber ganz ehrlich, das war es mir wert! Was für ein Spektakel! Danke, liebe Entendame, für diesen Augenblick!

Also habe ich versucht, die Entendame und das glitzernde Wasser zu malen. Vorab, ich kann kein Wasser malen. Ich finde es zu komplex und alle Anleitungen brachten mich nicht weiter. Dann war mein Gelstift, der das Weiß ins Bild zaubern soll, nicht so gut, wie ich dachte und keine Ahnung, es war mir echt nicht gelungen, aber dafür habe ich eine Zeichnung von einer Momentaufnahme, an dem Ort, an dem sie stattgefunden hat und das kann mir keiner nehmen! 


Außerdem musste ich dringend wieder los, also habe ich nochmal meine Füße in den See gehalten, bin sogar noch etwas tiefer reingegangen und musste aktiv widerstehen, nicht einfach zu schwimmen und darauf zu sch***en, dass ich keine Badesachen und keine Handtücher hatte und das Baden verboten war. Das war echt schwer. Ich schloss die Augen, nahm alles nochmal in mich auf und packte mein Körbchen ein. Ich hatte ein paar Muschelschalen, Steine und damit verbunden etwas Sand. Ach, und eine Feder, die in meinem Skizzenbuch verewigt wird. Eine frische Feder. Keine, die einfach länger herumlag.

Nun war ich zu spät dran, Leseratte war schon längst fertig und „musste“ mich einsammeln, weil ich noch zu weit weg war.

Dann fuhr er mich zu KFC, wo es im Moment die Minions-Burger und Soßen usw. gibt und gönnte mir ein Menü, bei dem sogar so ein kleiner Klebe-Minions dabei war!


Ganz ehrlich, es hat nicht wirklich gut geschmeckt. Süß-saure Soße mit Bananenmus. Pommes konnte KFC noch nie, auch nicht mit Käse und Schinken oder Bacon. Aber der Burger sah sehr niedlich aus und der Erdbeershake war echt lecker!

Leider hatte ich den Burger-King-Effekt und das Essen nicht gut vertragen.

Die Aquarellstifte, die ich heute dabei hatte, waren von Faber-Castell, aber eher für Kinder und Schüler. Nichts Dolles und wenn man dann gewohnt ist, wie Polychromos sind, von den Pigmenten und der Textur her, dann ist das ein sehr großer Unterschied. Es gibt welche, die sind in einer ähnlich guten Qualität wie die Polychromos, aber wasservermalbar und nennen sich Albrecht Dürer. Die wollte ich mal testen, also fragte ich, ob wir weit von Boesner weg sind. Die haben wirklich ALLE Stifte einzeln da.

Leseratte fuhr mich geduldig hin und auf dem Weg merkte ich schon, dass das Essen echt nicht gut für mich war. Mir ging es gar nicht gut. :(

Ich habe dann verschiedene Stifte getestet. Albrecht Dürer, die Marke von Boesner selber, günstige von Caran d’Ache usw.

Das ist zum Teil Geschmackssache. Wie weit soll sich das Pigment lösen, wenn man es nass macht, wie soll die Textur sein … einfach mal testen. Jedenfalls habe ich mich für die Caran d’Ache Supracolor, glaube ich heißen sie, entschieden. Ähnlich wie Albrecht Dürer, etwas weicher und, keine Ahnung, ich mag sie mehr.

Da ging es mir schon miserabel und obwohl der Tag fantastisch war, ging meine Stimmung etwas runter. Die Heimfahrt war dann recht ruhig und ich bin Leseratte wirklich dankbar für alles. Es war, bis auf das Essen, ein großer Urlaubstag, gefühlt jedenfalls, und hat mir sehr viel Energie gegeben und einen Moment geschenkt, den ich lange nicht vergessen werde und von dem ich noch zehren kann.

Was für ein Tag!



Sonntag, 5. Juli 2026

Finally old enough

Kennst Du das Lied von Sarah Hester Ross „Finally Old Enough“?

Falls nicht, schnapp Dir einen Chai-Tee mit Kokosmilch, mach es Dir gemütlich und gönn Dir diese paar Minuten. :)


Ich hoffe, dass ich noch das Foto hochgeladen bekomme. Mittlerweile werden alle Dienste immer zickiger, wollen Geld oder reduzieren ihre Anwendungen. Dabei verdienen sie doch nur, weil es Menschen gibt, die Dinge zeigen wollen. Werde ich wohl nie verstehen. Sie reduzieren dadurch deutlich die Meinung, die man über sie hat, und sucht vielleicht eher nach einer Alternative. Instagram reduziert seine Hashtag-Begriffe pro Post, Blogger will mir keine Bilder mehr hochladen lassen … so vieles nervt, aber das passt gut zu meinem Thema.

Resilienz könnte man sagen. :)

Man darf sich nicht von allem tangieren lassen, weil es lediglich den eigenen Seelenfrieden raubt.

Ich habe wieder zu meinen Farben gefunden, also dauerhafter, meine ich. Nun habe ich schon über eine Woche täglich gezeichnet und gemalt und fühle mich total wohl damit!


Nicht jedes Motiv ist perfekt, ich habe auch noch keinen eigenen Stil, aber Spaß, den habe ich! Wenn ich so ein farbenfrohes Motiv aufs Papier gezaubert habe, freut es mich einfach, auch schon während ich male, weil ich Farben so liebe. Heute (vielleicht schaffe ich es sogar, zwei Bilder in den Beitrag zu schmuggeln) kamen die Frösche dran. Thema war Lawn, also Wiese/Rasen/Gras, und ich habe deutlich gemerkt, wie sehr ich es mag, mit Grün zu arbeiten.

In einem Video hat eine Künstlerin erklärt, dass man mal vergessen soll, den eigenen Stil zu finden oder welches Motiv es werden soll, und vollkommen anders an die Sache herangehen soll. Nimm ein Motiv, das Du magst, und male das immer wieder, aber nimm immer verschiedene Materialien. Du musst es nicht immer gleich malen, es geht nur darum, dass Dein Fokus davon wegkommt, WAS Du malen möchtest, hin zu dem, MIT WAS und auf welche Art.

Kleiner Rat von mir: Zeig nicht alles, was Du gemalt hast, weil das sonst nur Druck macht. Wenn Du merkst, dass Dir was misslingen kann und keiner sieht es, keiner weiß, dass es existiert, dann kannst Du wesentlich freier malen, weil es egal ist, ob es gut oder beschissen wird!

Ich habe das Leseratte auch erklärt, weil er immer schauen kam und sehen wollte, was ich so gemacht habe. Dieses Interesse und die Neugier an meiner Arbeit sind ja schmeichelhaft, bauen aber auch Erwartungsdruck auf. Ich finde es bereits schwierig genug, wenn es nicht gelingt, dass ich nicht zu frustriert bin und mir direkt wieder einrede, dass ich es eben nicht kann. Von daher verkrümle ich mich in mein Zimmer und dann schau bitte nicht, was ich mache. Wenn ich es mag und gut finde, komme ich sehr gerne auf Dich zu und präsentiere es Dir voller Stolz!

Ok, wenn es richtig übel wurde, kann man es ja auch zeigen und gemeinsam darüber lachen, aber man sollte es selber entscheiden können, damit man offener malen kann.

Als ich gearbeitet hatte, fand ich ja gar keine Zeit und habe es eher romantisiert. Danach hatte ich keine Energie und Ruhe dafür, aber bei Facebook gibt es diese kleinen Videos von Jacob, in denen er übersetzt sagt: „Ich, ich bin Jacob, ich versuche jeden Tag zu malen und das ist Tag XXX und das ist, was ich heute gemalt habe …“

So ein süßes Kerlchen! Und ja, ich gebe ihm immer ein Like! Und besonders toll finde ich, dass es mal wirklich tolle Werke sind, manchmal auch wirklich nicht so tolle oder etwas dazwischen, aber er macht es jeden Tag und ist, glaube ich, bald bei Tag 200? Besonders gefällt mir wirklich, dass er noch kein Profi ist und einfach sein Ding macht, egal wie andere es finden.

Ebenso gibt es einen, ich weiß seinen Namen leider gerade nicht, der immer seine „whimsical“ Art vorzeigt und die ist so niedlich! Noch nicht bilderbuchtauglich, aber immer muss man lächeln und freut sich.

Ich hatte mich gefragt, warum das so gut funktioniert. Dabei kam ich auf den Gedanken, dass wir in einer richtig perfekten (von den Medien aus betrachtet) Welt leben. Jeder zeigt, wie toll sein Urlaub ist oder sein Essen oder seine Kunst, welche auch immer, oder sein Workout … jeder präsentiert seinen Perfektionismus und ich mag nicht wissen, wie die Realität hinter der Kamera aussieht. Nun kommen zwei junge Männer daher (ja, wahrscheinlich gibt es noch viele mehr, die ich jedoch gerade nicht kenne) und zeigen ihre unperfekten, aber niedlichen, grumpeligen Stücke. Gerade das bringt den frischen Wind in den Algorithmus und macht anderen Mut!

Bitte mehr davon!

Und damit meine ich nicht die Leute, die ihre unaufgeräumte Wohnung zeigen und dazu sagen/schreiben, dass das eben das reale Leben ist und sie gegen die Beige-Mom-Dynastie sind, denn nicht aufräumen und nicht putzen ist nun wirklich keine Sache, die man unbedingt teilen muss, sondern einfach Dein Hobby, egal wie gut oder schlecht Du darin bist, damit wir an Deiner Freude daran teilhaben können! Das ist es, was ich meine.

Du machst es gerne? Zeig her! Rede darüber! Teile Deine Emotionen mit uns und zeig, was in Dir steckt! Das liebe ich! Nicht diese Fake-Welt voller perfekter Menschen, die alles im Griff haben und nie mal was falsch machen oder sogar gestellte Videos veröffentlichen, auf denen sie Fake-Fehler machen.

Unperfekte Menschlichkeit. Das fehlt in der virtuellen Welt.

Gemeinsames Schmunzeln über nicht perfekte Dinge, die dadurch jedoch authentisch sind und echt. Echte Menschen, echte Gefühle und echtes Leben dahinter.

Und noch eine Kleinigkeit. Man muss wirklich nicht alles posten.

Ich finde dieses Übermaß an Informationen so lästig. Jeder Mensch meint, alles teilen zu müssen. Jedes Essen. Jede Ladung Wäsche, die aufgehangen wird, jeder unwichtige Gedanke und sinnlose Handgriff.

Ursprünglich ging es noch um richtige Informationen. Lernvideos oder welche mit Erklärungen. Videos und Texte, die Mut machen, die das Gemeinschaftsgefühl fördern und Hobbys, die geteilt wurden, aber seit das monetarisiert wurde, hat es eine solche Überhand genommen, dass es wirklich nur noch zum k*** ist …

Mir fehlen die Zeiten, in denen es noch Menschen dahinter gab, die man für seine beste Freundin halten konnte, die fehlbar war und dadurch umso charmanter.

Wohin das wohl noch so führen wird?

Ach, und zum Schluss noch eine Kleinigkeit. Das mit den Bildern ist wohl mein Fehler. Ich gehe immer über die Leiste oben, um es korrekt einzubinden, aber, es geht viel einfacher: kopieren, dann einfügen, fertig!!!! Man, bin ich veraltet im Kopf!!! Peinlich :)

Schönen Restsonntag noch und hey, keiner ist perfekt und es ginge uns allen besser, wenn man es nicht verbergen würde.