Freitag, 22. Mai 2026

Abrechnung

Ich habe gerade geduscht, dabei Musik gehört und als der Song „Als du gingst“ von Lina Maly kam, habe ich einen furchtbaren Heulkrampf bekommen.

Auch jetzt, wenn ich das schreibe, muss ich direkt wieder anfangen.

Warum?

Das Lied handelt von Abschied und was bleibt.

Ich hasse es. Ehrlich. Ich habe zu viele Menschen, Tiere, Seelen verabschieden müssen.

Ich bin so müde davon.

Man bleibt übrig.

Nicht missverstehen, ich lebe gerne, wirklich, aber alle gehen, man bleibt übrig.

Ich schaue oft in den Himmel und frage mich, ob sie uns zusehen. Ob sie über uns reden, unser Tun kommentieren, wie bei einer Soap und schreien: „NEIN! TU DAS NICHT, DAS IST EINE DUMME ENTSCHEIDUNG!!!“ und den Kopf schütteln, weil wir sie nicht hören können und es doch tun.

Ich stelle mir gerne vor, wie sie vereint sind, Zwei- und Vierbeiner, allen geht es gut und alles ist friedlich.

Wie sie auf uns warten und stolz sind, weil wir weitermachen, egal wie es uns damit geht. Wie sie sich freuen, wenn wir nach ihrem großen Verlust das erste Mal wieder einen Glücksmoment erleben können und sie uns kleine Hinweise schicken, wie auch immer sie aussehen mögen und Luftsprünge machen, wenn sie von uns bemerkt werden.

Trotzdem gibt es da unendlich oft diese Momente, in denen ich innehalte und mich so verlassen von ihnen fühle. So alleine gelassen. So zurückgelassen. Dann bin ich auch regelrecht wütend und sauer auf sie. „Wie konntest du mich in dieser rauen, unerbittlichen Welt alleine lassen?!?“

Die meiste Zeit, wenn ich an sie denke, versuche ich sie allerdings als meinen Fanclub zu sehen. Wie sie mich anfeuern und sich mit mir freuen.

Gerade eben war aber wieder einer dieser verlassenen Momente.

Wo ich wütend war.

Am 14.4. haben wir Nele verabschiedet. Der Hund meiner Schwester. Ihre „Restschuld“. Wieder eine Aufgabe, die ich für sie zu erledigen hatte. Die letzte davon. Und die schönste von allen.

Nun sind sie wieder vereint.


Ich habe eine weitere Lücke zu bewältigen.

Wieder die Frage, ob es der rechte Moment war oder zu früh. Zu spät, das denkt man nie.

Es war der letzte Rest meiner Schwester.

Nun sitzen sie alle irgendwo zusammen und feuern mich weiter an, hoffe ich, denke ich.

Es war und ist nicht nur ein Abschied von Nele, sondern auch von meiner Schwester und dann fügen sich alle anderen Abschiede zuvor mit an. Man denkt an Nele, an Uschi, dann folgt ein roter Faden von Abschieden.

Nele war nie nur eine Aufgabe. Sie war ein fantastischer Abschluss. Eine der schönsten Persönlichkeiten, die mein Leben begleitet haben und ich bin dankbar dafür. Ich bin immer dankbar für die schönen Momente, die tolle Zeit miteinander. Ich denke, dass man diese ganze Freude und das Glück hinterher mit der Trauer bezahlen muss. Das ist der Preis. Der Schmerz hinterher.

Nach Tabitha wollte ich keinen Hund mehr. Ehrlich, es tat so weh, dass ich mir geschworen habe, dass ich mir das nicht nochmal antun werde.

Dann kam meine Schwester an und erzählte mir, dass sie einen kleinen Welpen hat. Ein Mädchen. Eine Nele. Wir haben zusammen geweint, als die kleine Nele mal alleine bleiben musste und alle Klamotten zerbissen und zerstört hat, alle Ladekabel, alle möglichen anderen Dinge und von Uschi die Frage kam: „Ich schaffe das nicht mehr! Ich kann das nicht mehr! Meinst du, dass es irgendwann besser wird? Dass es anders wird?“

Ich möchte ehrlich sein. Bevor sie Nele hatte und von der Idee erzählte, hatte ich große Zweifel. Damit war ich nicht alleine. Viele sagten es offen heraus. Ein Welpe ist für laufende Menschen schon eine große Herausforderung, aber mit Rollstuhl und ihrem Charakter …

Wir sprachen in dem Moment, als sie so verzweifelt war, über Pubertät und Teenager. Sie heulte sich aus, es ging weiter und es folgten natürlich bessere Zeiten.

Ich bekam Nele als ältere Dame, mit weit über neun Jahren. Mir wurde gesagt, dass sie lieb ist, gut hört, ein paar Tricks kann und ein toller Hund ist.

In manchen Situationen merkte man, dass sie von einer Rollstuhlfahrerin erzogen wurde, was uns zum Lachen brachte, auch Jahre später noch.

Sie hob gerne Dinge auf. Das hatte Uschi ihr mühsam beigebracht und saß so gut, dass sie es wirklich voller Stolz und Inbrunst machte. Es war ihr sehr wichtig. Doch sie hob alles genau so hoch auf, wie eine Rollstuhlfahrerin ihre Hand hebt. Wir mussten uns also bücken und es erinnerte uns immer an Uschi und ließ uns lächeln.

Überhaupt fand Nele ihre Hauptaufgabe darin, uns Freude zu bereiten. Das war ihr wirklich sehr wichtig. Sie wollte immer alles richtig machen und schaute uns dabei immer an, um sich zu vergewissern und wenn sie merkte, dass wir uns freuen, dann freute sie sich mit.



Beim Spazierengehen schaute sie alle paar Meter zurück, ob wir auch wirklich folgen, ob wir auch wirklich mitkommen, als wäre es mal anders gewesen. Selbst mit Leine. Egal, sie musste sich vergewissern und wehe, einer stand im Weg und sie konnte nicht kontrollieren, ob der andere wirklich noch dahinter ist! Dann musste sie erst recht nachsehen.

Oder ihre Rolle als „Rudelführer Nele“, wie wir es scherzhaft nannten, wenn sie partout einen anderen Weg gehen wollte und wir sie natürlich gewähren ließen, weil es ihr Spaziergang war und sie sich freute, dass wirklich sie den Weg für alle bestimmen durfte! Natürlich gab es mal Ausnahmen, aber umso mehr freute sie sich dann, wenn es doch wieder funktionierte und alle ihr folgten.

Jeder musste begrüßt werden, egal ob Mensch, Hund, Katze … alles und jeder und wenn die Person, das Wesen nicht von einer Nele begrüßt werden wollte, dann machte sie es umso enthusiastischer und wilder, um zu überzeugen, dass es nichts Tolleres gibt, als von einer Nele begrüßt zu werden. Besondere Opfer waren dann Menschen, die Angst vor Hunden haben, wobei sie da sogar der einen oder anderen Person helfen konnte, durch ihre lustige, tollpatschige Art!

Es war uns wirklich eine Ehre, die kleine Nele ein Stück auf ihrem Weg begleiten zu dürfen.

Anders kann ich es nicht ausdrücken.

Ursprünglich, als ich Nele noch nicht kannte und meine Schwester ins Krankenhaus musste und ich ahnte, dass sie nicht mehr viel Zeit hat, sah ich nur die Wichtigkeit, dass meine Schwester in Ruhe krank sein konnte, dann am Ende auch gehen konnte, mit der Gewissheit, dass es ihrer Nele gut gehen wird und sie sich keine Sorgen machen muss.

Denn eigentlich und das wusste sie, wollte ich keinen Hund mehr nach Tabitha, aber als sie von der Baby-Nele erzählte und mich fragte, ob ich denn Patentante sein möchte, da freute ich mich total darüber. Patentante war immer das Einzige, was ich mir noch vorstellen konnte. Näher wollte ich keinen Hund an mich ranlassen. Wir hatten ohnehin geplant, dass Nele mal Urlaub bei uns macht und von klein auf wurde Nele mit PET-Flaschen gemobbt und gefoppt, damit sie lernt, wenn Kinder mit irgendwas auf sie draufhauen, dann ist das ein Spiel und lustig und kein Grund für eine aggressive Reaktion, so dass meine Kinder, die damals noch klein waren, garantiert nicht gebissen werden würden, falls sie mal grob werden sollten. Lustig, denn meine Kinder hätten das nie gemacht, aber es gab ein Gefühl von Sicherheit. Und natürlich sprachen wir darüber, wenn Uschi mal länger ins Krankenhaus müsse, dass ich die kleine Nele dann abholen würde. Sie hatte mir erzählt, wie wichtig es ihr ist, dass ich, wenn was sein sollte, direkt runterfahre und sie einsammeln soll. Es wäre alles geklärt, jeder wüsste Bescheid.

Soweit kam es nicht und ich hatte immer nur mit einem längeren Krankenhausaufenthalt gerechnet. Hätte mir damals jemand erzählt, dass meine Schwester nicht mehr ein ganzes Hundeleben lang leben würde … es ist gut, dass wir das nicht vorher wissen.

Ich habe getan, was eine gute Patentante tut.

Mein Job ist erledigt.

Ich habe sie wieder an Uschi „übergeben“.

Jetzt muss ich wieder lernen weiterzumachen. Wieder mit einem Verlust umzugehen, der mich sehr triggert und herausfordert.

Der mich mein Leben wieder überdenken lässt und eine Umstrukturierung zur Folge hat, denn als Rest, als das, was übrig bleibt, sammelt man sich neu und kann sich neu definieren.

Aber ich bin nicht der einzige Rest.


Luna (unsere Katze) zum Beispiel, die ist auch noch da, mit über 18 Jahren! Und das wird sie noch mindestens 82 Jahre lang, weil die Kinder ihr immer erzählt haben, dass sie mindestens 100 wird oder sogar nie sterben darf und das hat sie sich zu Herzen genommen und hält sich auch daran, sprintet jeden Morgen wie eine Jungkatze herum und hat keinerlei Gebrechen.

Im Übriggebliebensein vereint.

Kinder sind ausgezogen, führen ihre eigenen Leben.

Leseratte ist dazugekommen und somit auch ein Teil vom Rest.

Bringt sogar neue Cheerleader mit, die uns zujubeln, da oben oder wo auch immer sie sich befinden.

Sie sind sicher stolz auf uns.

Wie wir Tag für Tag meistern.

Schritt für Schritt.

Ohne sie.

Aber im Herzen bleiben sie immer bei uns.



Freitag, 1. Mai 2026

Bucket List Haken

Herzlich willkommen zurück, nach so langer, langer Zeit.

Setz dich erst einmal in Ruhe hin, genieße einen Iced Coffee, das Wetter schreit geradezu danach, und mach es dir gemütlich. Atme mal tief durch und genieße den Moment.

Ich habe schon wieder, mal wieder, ewig nicht geschrieben, aber nun gab es sogar sehr gute Gründe dafür!

Wer mich ein wenig kennt, weiß, dass ich seit über 15 Jahren Build-a-Bear-Fan bin! Großer Fan!

Als ich damals meine FAP-Diagnose bekam und erkannte, dass eine Zeit angebrochen ist, in der es nie mehr ohne Krankenhausaufenthalte gehen würde, fand ich meine Passion :)

Eigentlich wollte ich lediglich für meine Kinder je einen Teddy machen. Sie bekamen eine Sprachnachricht von mir in die Pfote: „Ich hab dich lieb, mein Schatz / mein Engel, schlaf gut und träume süß!“

Ich selber gönnte mir eine Pawlette und von meinem nun Ex-Mann eine Sprachnachricht, auf der er sagte, dass er mich liebt.

Als ich fortan regelmäßig ins Krankenhaus musste und bedeutend weniger zu Hause war, waren unsere Plüschtiere Gold wert! Ihre Bedeutung wuchs, gerade für mich, umso schlechter es mir ging.

Jayne, wie meine Pawlette getauft wurde, kam immerzu mit. Sie hatte ihr eigenes Krankenhaus-Outfit und war sogar mit im OP dabei, auf der Intensivstation, überall.

Mal wachte ich auf, und sie hatte Handschuhe angezogen bekommen und andere süße kleine Scherze.

Leider schlossen nach und nach die Build-a-Bear-Shops, und ich kaufte nur noch Secondhand, bis ich für Leseratte einen Teddy erstand und ihm zwar Sachen genäht hatte, aber noch mehr wollte.

Als es nur um mich ging, kam ich nicht auf die Lösung. Allerdings, als es um seinen Teddy ging, da hatte ich einen Geistesblitz. Ich kenne eine Stewardess! Ich bat sie doch bitte, wenn sie wieder in Amerika ist, einmal in einem Store vorbeizuschauen. Im Internet hatte ich mir schon zusammengesucht, was ich uuuuunbedingt brauchte, unter anderem die Game-Controller! Und sie war so lieb, sie schickte mir lauter Bilder und fragte, was ich noch möchte. Es war toll! Zwar war ich nicht selber vor Ort, jedoch ein kleines bisschen schon irgendwie :)

Lustigerweise schnappte ihr ein Junge den letzten Controller vor der Nase weg, und das war ein sehr glücklicher Zufall, denn so lernte ich die Build-a-Bear-Community bei Facebook kennen und lieben. Jemand, ein sehr lieber Mensch, bestellte mir in England den Controller und noch ein paar Kleinigkeiten, und daraus entstand eine schöne Freundschaft, die ich nicht missen möchte, und eine kleine Teddysucht, denn so konnte ich neue Mitbewohner adoptieren, wie z. B. meine liebste Holly!



Ich bekam eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, und als ich heraus war, rief ich sofort Leseratte an und erklärte, dass das eh nichts wird. Ich war mir zu 100 % sicher.

Tja, bis eine Mail mit meinem Vertrag kam. Ich konnte es nicht glauben! Ich ging wirklich die ganze Zeit davon aus, dass ich nicht genommen werde. Ich habe keine Erfahrung vorzuweisen, außer meine Liebe zur Marke, zu den Teddys, dass ich den Umgang mit Kindern und Menschen allgemein liebe und so viel zu geben habe. Ich war dankbar, total glücklich und dachte mir, egal wie es läuft, ich war wenigstens dabei!

Diese Einstellung behielt ich auch, selbst als ich Vollzeit arbeitete und jeden Abend einfach nur müde ins Bett fiel, während mir wirklich mein gesamter Körper, jeder Millimeter, schmerzte, weil ich es nicht gewohnt war, weil ich so viel tanzte und hüpfte, weil ich so gerne die Herzzeremonien machte.

Falls Du es nicht weißt: Build-a-Bear ist mehr als nur ein Spielzeuggeschäft. Du kommst rein, wirst freundlich begrüßt, es herrscht (sollte jedenfalls so sein) eine tolle Stimmung, und Du erschaffst deinen persönlichen Kuschelfreund, für ganz besondere Abenteuer, speziell für Dich zusammengestellt. Du wählst einen Kumpel aus, entscheidest Dich, was in ihn hinein soll, denn es kann eine Sprachnachricht sein von dir, einem Menschen, der Dir lieb ist und dabei ist, oder vom Handy aus eine Tonaufnahme, vollkommen egal! Oder einen Herzschlag oder ein leuchtendes Herz oder einen Duft, es gibt verschiedene. Danach füllst Du ihn mit jemandem vom Personal zusammen, und dann kommt die Herzzeremonie! Er wird zum Leben erweckt, und dafür muss man viel herumhampeln, tanzen, springen und Eigenschaften hineinlegen, die dir wichtig sind. Am Ende wird noch ein persönlicher Wunsch in Gedanken gesprochen, und schon kommt das kleine Stoffherz in deinen Plüschkumpel rein. Danach wird er verschlossen, und Du kannst ihn anziehen, es gibt jede Menge Klamotten und Accessoires. Am Ende bekommst Du sogar eine Geburtsurkunde!

Ich liebe das Konzept nach wie vor!

Ich war so glücklich!

Komplett k. o. und erschöpft, aber vollkommen zufrieden, und dafür bekam ich sogar noch Geld! Hobby zum Beruf gemacht, und mir wurde von allen Seiten, Kollegen, Kunden, andere Verkäufer aus benachbarten Geschäften, genau das gespiegelt, wie glücklich ich wirke und dass ich voll hinter der Sache stehe.

Leider kann es manche Menschen überfordern, und ich möchte nicht ins Detail gehen, nur so viel: Ich habe gekündigt. Ich ertrug einen gewissen Umgang nicht mehr und habe mich entschieden, auf meine mentale Gesundheit zu achten.

Schade.

Aber!

Vorher habe ich so viel von meiner Bucket List streichen können!

Ich habe meine eigenen Plüschies gefüllt!!!

Ich habe als Pawlette meine Pawlette geknuddelt!

Ich habe Kunden glücklich gemacht, mit ihnen gelacht, auch mal geweint, wurde stürmisch von Kindern geknuddelt, habe gesagt bekommen, dass sie unbedingt auch mal so werden wollen, und immer wieder, wie toll ich es mache und dass man merkt, wie glücklich es mich macht.

Das kann mir keiner nehmen.

Das ist unbezahlbar.

Das sind unauslöschliche Erinnerungen.

Dafür bin ich so dankbar!

Ich hatte leider keine Zeit mehr für andere Dinge. Ich stand morgens auf, machte mich fertig, bereitete mein Essen vor, fuhr los, arbeitete, fuhr abends heim, hatte kaum Energie zum Kochen selbst eine Pizza in den Ofen schieben kann anstrengend sein, und dann ging es schon ins Bett und von vorne los.

Ich habe mein eigenes Zimmer voller Utensilien. Wahrscheinlich bin ich mindestens so gut ausgestattet wie ein hauptberuflicher Künstler. Ich habe meine Malsachen, Nähsachen, tausende Bücher und nun wieder Zeit und hoffentlich Muse dafür :)

Mal sehen, was mir das Schicksal noch so ins Leben spült!

Ich bin wirklich sehr gespannt!


Und irgendwo da draußen lebt ein roter Dino mit meiner Stimmaufnahme, mit der ich der Besitzerin Mut mache, wenn sie gerade leider weniger an sich glauben kann, und das macht mich stolz!

Diese Momente erfüllen mich, wie es sonst kaum etwas kann.

Es war schön :)