Mittwoch, 8. Juli 2026

Die Natur hat mich geküsst

Vorab, setz Dich gemütlich hin, gönn Dir ein paar Minuten Ruhe, eine kleine Auszeit und atme mal tief durch. :)

Übrigens, nur am Rande: Ich hatte heute in der Bahn ein kleines Post-it auf dem Tischchen hinterlassen, auf dem stand: „Lächle doch mal wieder, es steht Dir. :)“

Ich hoffe, dass es jemandem eine kleine Freude bereitet hat.

So, aber warum ich um diese Zeit noch schreibe. Es kann einfach nicht bis morgen warten!

Ich bin heute mit der Bahn nach Bergisch Gladbach gefahren, weil dort der einzige Buchladen war, in dem es noch ein älteres Jens-Hübner-Buch gab, das mir fehlte, und ich wollte keine 45 Euro oder mehr bezahlen. Ich glaube, dass es nun keins mehr gibt … Jedenfalls stand dort „Abholung in der Filiale“. Kein Versand oder so. Klar, es gibt auch ein E-Book, aber ich habe alle Bücher von ihm real, also musste das noch her! Direkt bestellt, bezahlt, zurücklegen lassen und dann fuhr ich, wie gesagt, heute nach Bergisch Gladbach dafür.

Ich hatte wenig Zeit, weil ich noch meine geliebte Leseratte treffen wollte, aber ganz ehrlich, es war wirklich schön dort und der Thalia hat eine tolle Auswahl! Gehe ich sicherlich nochmal hin. :)

Dann hatte Leseratte was in Köln zu tun, deshalb wollte ich ihn ja treffen und so unter uns Gebetsschwestern, ich hatte zu dem Zeitpunkt echt keinen Bock mehr! Es war heiß. Ich bin lichtempfindlich und bekomme schnell einen Sonnenbrand. Ich hatte Hunger, deshalb eine Laugenstange gegessen, die unverschämt teuer war und nicht einmal gut schmeckte, und viel getrunken, also auch die Sorge, dass ich auf die Toilette muss und ich war in der Pampa.

Mit einer echt unterirdischen Laune bin ich ausgestiegen. Dort in der Nähe ist ein kleiner See. Ich kannte ihn schon, weil ich im frühen Frühjahr, als es noch kalt und regnerisch war, dort herumgewandert bin. Das war eigentlich damals echt schön! Ich hatte sogar Küken gesehen, die ich vollkommen vergessen hatte, bis ich nun die jungen Gänse sah, die daraus gewachsen sind! Wahnsinn!

Also mit mieser Laune aus dem klimatisierten Auto raus, über die heißen Wege gelatscht und keinen Schatten gehabt, weil Mittagszeit, und dann sehe ich es. Das ganze Wasser, den See!

Ich wuchs am, nein, IM Bodensee auf. Ich lernte im Bodensee schwimmen. Ich verbrachte meine Kindheit und Jugend im See. Ich bin eine geborene Wasserratte! Ich liebe Wasser einfach! Immer werde ich ganz hibbelig, wenn ich zu einem See fahre oder ins Schwimmbad. Als ich klein war, sind wir mal im Winter oder, lass es extrem frühen Frühling gewesen sein, am Bodensee spazieren gewesen und klein Nici wollte unbedingt im See schwimmen. Der hatte, glaube ich, 7 Grad? Mein Vater sagte, es sei viel zu kalt dafür! 

Meine Mutter war noch zu Hause geblieben, es ging ihr nicht gut und ich heulte und jammerte und meine Geschwister und mein Vater erklärten nochmal, wie kalt es war und wir hatten ja kein Schwimmzeug und Handtücher dabei, stattdessen dicke Jacken an. Na ja, was ich von meinem Vater gelernt habe und an meine Kinder weitergegeben habe, war, dass man nicht lange mit Kindern diskutieren sollte und sie einfach ihre eigenen Erfahrungen sammeln lassen sollte, weil sie so schneller und mehr lernen und durch Konsequenzen Entscheidungen überdenken. Halt, nicht überreagieren, ich meine natürlich keine gefährlichen Dinge, allerdings zählt ein kalter See nicht zu einer Gefahr und mein Vater dachte, wenn ich den „dicken Onkel“ (so nannte man früher den dicken Zeh) reinhalten würde, hätte ich vermutlich bereits genug, also meinte er mit stolz geschwellter Brust, dass ich es ja ruhig versuchen könnte und sicher selber bemerken würde, dass das Wasser keine Temperatur für ein lauschiges Planschen haben würde und was soll ich sagen? Klein Nici war der glücklichste schwimmende Mensch im Bodensee, in dem Moment! 

Bis wir heimkamen und meine Mutter fragte, warum ich nasse Haare habe, mein Vater alles erklärte, sie die Hände über dem Kopf zusammenschlug und eine nahende Erkältung prophezeite. Ob sie jemals kam, die Erkältung, weiß ich nicht, zumal mein Vater nicht müde wurde zu erklären, dass man nicht von nassen Haaren krank wird, sondern wenn das Immunsystem geschwächt ist, die nassen Haare die Wärme schneller ableiten und man dann eher krank werden kann bzw. die Krankheit ausbrechen kann, die bereits in den Knochen steckte. Ich habe nie einen Faktencheck gemacht.


So, also da war dieser kleine See heute, die groß gewordenen Enten, die Sonne, die das Wasser glitzern und mich brutzeln ließ und ich zog mir die Schuhe aus, legte mein Körbchen ab, ging bis zu den Knien ins Wasser und war so glücklich in dem Moment!

Ich stand einfach da, die Füße angenehm frisch, den Kopf Richtung Himmel gerichtet und genoss den Moment. Vollkommen.

Und dann, als wäre das nicht schon wundervoll genug gewesen, wehte ein Wind. Kräftig. Kühl. Er wirbelte meine Haare herum und ich fühlte mich wirklich gesegnet. Ich dachte wirklich, dass das der perfekte Moment ist und dieser Wind ihn vollkommen gemacht hat. Sicher stand ich einfach so zehn Minuten oder länger da.

Dann kamen die Enten, Gänse, Haubentaucher usw. Immer näher, schauten mich an, schwammen an mir vorbei, total nah, bis zu 2 m Abstand nur und ich fühlte mich wie eine Disney-Prinzessin.

Das war wirklich einer der schönsten Momente, die ich seit sehr langer Zeit hatte.

Dennoch schien ja die Sonne und ich bin wirklich empfindlich, also setzte ich mich in den Halbschatten, mehr stand mir nicht zur Verfügung, vergrub meine Füße ein wenig in den Sand und blätterte durch das frisch gekaufte Buch. Ich habe ja gesagt, dass es von Jens Hübner ist, aber der Titel ist eigentlich egal, weil wirklich alle seine Bücher toll sind, auch wenn man nicht malt, weil sehr viele seiner Werke darin sind, die immer sehenswert sind und es sich alleine schon dafür lohnt!

Just als ich mein eher neues, aber heiß geliebtes kleines Skizzenbuch in die Hand nahm, gerade versuchte, den See etwas einzufangen, wobei ich noch nie viel mit Aquarellstiften gemacht hatte und es eher ein Herantasten an das Material war, meinte eine Entendame, sich genau vor mir planschend baden und putzen zu müssen!


Ich bin so alt, dass ich lieber selber hinschaue, als durch die Kamera zu blicken, also sind die Bilder nicht soooo toll geworden, aber ganz ehrlich, das war es mir wert! Was für ein Spektakel! Danke, liebe Entendame, für diesen Augenblick!

Also habe ich versucht, die Entendame und das glitzernde Wasser zu malen. Vorab, ich kann kein Wasser malen. Ich finde es zu komplex und alle Anleitungen brachten mich nicht weiter. Dann war mein Gelstift, der das Weiß ins Bild zaubern soll, nicht so gut, wie ich dachte und keine Ahnung, es war mir echt nicht gelungen, aber dafür habe ich eine Zeichnung von einer Momentaufnahme, an dem Ort, an dem sie stattgefunden hat und das kann mir keiner nehmen! 


Außerdem musste ich dringend wieder los, also habe ich nochmal meine Füße in den See gehalten, bin sogar noch etwas tiefer reingegangen und musste aktiv widerstehen, nicht einfach zu schwimmen und darauf zu sch***en, dass ich keine Badesachen und keine Handtücher hatte und das Baden verboten war. Das war echt schwer. Ich schloss die Augen, nahm alles nochmal in mich auf und packte mein Körbchen ein. Ich hatte ein paar Muschelschalen, Steine und damit verbunden etwas Sand. Ach, und eine Feder, die in meinem Skizzenbuch verewigt wird. Eine frische Feder. Keine, die einfach länger herumlag.

Nun war ich zu spät dran, Leseratte war schon längst fertig und „musste“ mich einsammeln, weil ich noch zu weit weg war.

Dann fuhr er mich zu KFC, wo es im Moment die Minions-Burger und Soßen usw. gibt und gönnte mir ein Menü, bei dem sogar so ein kleiner Klebe-Minions dabei war!


Ganz ehrlich, es hat nicht wirklich gut geschmeckt. Süß-saure Soße mit Bananenmus. Pommes konnte KFC noch nie, auch nicht mit Käse und Schinken oder Bacon. Aber der Burger sah sehr niedlich aus und der Erdbeershake war echt lecker!

Leider hatte ich den Burger-King-Effekt und das Essen nicht gut vertragen.

Die Aquarellstifte, die ich heute dabei hatte, waren von Faber-Castell, aber eher für Kinder und Schüler. Nichts Dolles und wenn man dann gewohnt ist, wie Polychromos sind, von den Pigmenten und der Textur her, dann ist das ein sehr großer Unterschied. Es gibt welche, die sind in einer ähnlich guten Qualität wie die Polychromos, aber wasservermalbar und nennen sich Albrecht Dürer. Die wollte ich mal testen, also fragte ich, ob wir weit von Boesner weg sind. Die haben wirklich ALLE Stifte einzeln da.

Leseratte fuhr mich geduldig hin und auf dem Weg merkte ich schon, dass das Essen echt nicht gut für mich war. Mir ging es gar nicht gut. :(

Ich habe dann verschiedene Stifte getestet. Albrecht Dürer, die Marke von Boesner selber, günstige von Caran d’Ache usw.

Das ist zum Teil Geschmackssache. Wie weit soll sich das Pigment lösen, wenn man es nass macht, wie soll die Textur sein … einfach mal testen. Jedenfalls habe ich mich für die Caran d’Ache Supracolor, glaube ich heißen sie, entschieden. Ähnlich wie Albrecht Dürer, etwas weicher und, keine Ahnung, ich mag sie mehr.

Da ging es mir schon miserabel und obwohl der Tag fantastisch war, ging meine Stimmung etwas runter. Die Heimfahrt war dann recht ruhig und ich bin Leseratte wirklich dankbar für alles. Es war, bis auf das Essen, ein großer Urlaubstag, gefühlt jedenfalls, und hat mir sehr viel Energie gegeben und einen Moment geschenkt, den ich lange nicht vergessen werde und von dem ich noch zehren kann.

Was für ein Tag!



Sonntag, 5. Juli 2026

Finally old enough

Kennst Du das Lied von Sarah Hester Ross „Finally Old Enough“?

Falls nicht, schnapp Dir einen Chai-Tee mit Kokosmilch, mach es Dir gemütlich und gönn Dir diese paar Minuten. :)


Ich hoffe, dass ich noch das Foto hochgeladen bekomme. Mittlerweile werden alle Dienste immer zickiger, wollen Geld oder reduzieren ihre Anwendungen. Dabei verdienen sie doch nur, weil es Menschen gibt, die Dinge zeigen wollen. Werde ich wohl nie verstehen. Sie reduzieren dadurch deutlich die Meinung, die man über sie hat, und sucht vielleicht eher nach einer Alternative. Instagram reduziert seine Hashtag-Begriffe pro Post, Blogger will mir keine Bilder mehr hochladen lassen … so vieles nervt, aber das passt gut zu meinem Thema.

Resilienz könnte man sagen. :)

Man darf sich nicht von allem tangieren lassen, weil es lediglich den eigenen Seelenfrieden raubt.

Ich habe wieder zu meinen Farben gefunden, also dauerhafter, meine ich. Nun habe ich schon über eine Woche täglich gezeichnet und gemalt und fühle mich total wohl damit!


Nicht jedes Motiv ist perfekt, ich habe auch noch keinen eigenen Stil, aber Spaß, den habe ich! Wenn ich so ein farbenfrohes Motiv aufs Papier gezaubert habe, freut es mich einfach, auch schon während ich male, weil ich Farben so liebe. Heute (vielleicht schaffe ich es sogar, zwei Bilder in den Beitrag zu schmuggeln) kamen die Frösche dran. Thema war Lawn, also Wiese/Rasen/Gras, und ich habe deutlich gemerkt, wie sehr ich es mag, mit Grün zu arbeiten.

In einem Video hat eine Künstlerin erklärt, dass man mal vergessen soll, den eigenen Stil zu finden oder welches Motiv es werden soll, und vollkommen anders an die Sache herangehen soll. Nimm ein Motiv, das Du magst, und male das immer wieder, aber nimm immer verschiedene Materialien. Du musst es nicht immer gleich malen, es geht nur darum, dass Dein Fokus davon wegkommt, WAS Du malen möchtest, hin zu dem, MIT WAS und auf welche Art.

Kleiner Rat von mir: Zeig nicht alles, was Du gemalt hast, weil das sonst nur Druck macht. Wenn Du merkst, dass Dir was misslingen kann und keiner sieht es, keiner weiß, dass es existiert, dann kannst Du wesentlich freier malen, weil es egal ist, ob es gut oder beschissen wird!

Ich habe das Leseratte auch erklärt, weil er immer schauen kam und sehen wollte, was ich so gemacht habe. Dieses Interesse und die Neugier an meiner Arbeit sind ja schmeichelhaft, bauen aber auch Erwartungsdruck auf. Ich finde es bereits schwierig genug, wenn es nicht gelingt, dass ich nicht zu frustriert bin und mir direkt wieder einrede, dass ich es eben nicht kann. Von daher verkrümle ich mich in mein Zimmer und dann schau bitte nicht, was ich mache. Wenn ich es mag und gut finde, komme ich sehr gerne auf Dich zu und präsentiere es Dir voller Stolz!

Ok, wenn es richtig übel wurde, kann man es ja auch zeigen und gemeinsam darüber lachen, aber man sollte es selber entscheiden können, damit man offener malen kann.

Als ich gearbeitet hatte, fand ich ja gar keine Zeit und habe es eher romantisiert. Danach hatte ich keine Energie und Ruhe dafür, aber bei Facebook gibt es diese kleinen Videos von Jacob, in denen er übersetzt sagt: „Ich, ich bin Jacob, ich versuche jeden Tag zu malen und das ist Tag XXX und das ist, was ich heute gemalt habe …“

So ein süßes Kerlchen! Und ja, ich gebe ihm immer ein Like! Und besonders toll finde ich, dass es mal wirklich tolle Werke sind, manchmal auch wirklich nicht so tolle oder etwas dazwischen, aber er macht es jeden Tag und ist, glaube ich, bald bei Tag 200? Besonders gefällt mir wirklich, dass er noch kein Profi ist und einfach sein Ding macht, egal wie andere es finden.

Ebenso gibt es einen, ich weiß seinen Namen leider gerade nicht, der immer seine „whimsical“ Art vorzeigt und die ist so niedlich! Noch nicht bilderbuchtauglich, aber immer muss man lächeln und freut sich.

Ich hatte mich gefragt, warum das so gut funktioniert. Dabei kam ich auf den Gedanken, dass wir in einer richtig perfekten (von den Medien aus betrachtet) Welt leben. Jeder zeigt, wie toll sein Urlaub ist oder sein Essen oder seine Kunst, welche auch immer, oder sein Workout … jeder präsentiert seinen Perfektionismus und ich mag nicht wissen, wie die Realität hinter der Kamera aussieht. Nun kommen zwei junge Männer daher (ja, wahrscheinlich gibt es noch viele mehr, die ich jedoch gerade nicht kenne) und zeigen ihre unperfekten, aber niedlichen, grumpeligen Stücke. Gerade das bringt den frischen Wind in den Algorithmus und macht anderen Mut!

Bitte mehr davon!

Und damit meine ich nicht die Leute, die ihre unaufgeräumte Wohnung zeigen und dazu sagen/schreiben, dass das eben das reale Leben ist und sie gegen die Beige-Mom-Dynastie sind, denn nicht aufräumen und nicht putzen ist nun wirklich keine Sache, die man unbedingt teilen muss, sondern einfach Dein Hobby, egal wie gut oder schlecht Du darin bist, damit wir an Deiner Freude daran teilhaben können! Das ist es, was ich meine.

Du machst es gerne? Zeig her! Rede darüber! Teile Deine Emotionen mit uns und zeig, was in Dir steckt! Das liebe ich! Nicht diese Fake-Welt voller perfekter Menschen, die alles im Griff haben und nie mal was falsch machen oder sogar gestellte Videos veröffentlichen, auf denen sie Fake-Fehler machen.

Unperfekte Menschlichkeit. Das fehlt in der virtuellen Welt.

Gemeinsames Schmunzeln über nicht perfekte Dinge, die dadurch jedoch authentisch sind und echt. Echte Menschen, echte Gefühle und echtes Leben dahinter.

Und noch eine Kleinigkeit. Man muss wirklich nicht alles posten.

Ich finde dieses Übermaß an Informationen so lästig. Jeder Mensch meint, alles teilen zu müssen. Jedes Essen. Jede Ladung Wäsche, die aufgehangen wird, jeder unwichtige Gedanke und sinnlose Handgriff.

Ursprünglich ging es noch um richtige Informationen. Lernvideos oder welche mit Erklärungen. Videos und Texte, die Mut machen, die das Gemeinschaftsgefühl fördern und Hobbys, die geteilt wurden, aber seit das monetarisiert wurde, hat es eine solche Überhand genommen, dass es wirklich nur noch zum k*** ist …

Mir fehlen die Zeiten, in denen es noch Menschen dahinter gab, die man für seine beste Freundin halten konnte, die fehlbar war und dadurch umso charmanter.

Wohin das wohl noch so führen wird?

Ach, und zum Schluss noch eine Kleinigkeit. Das mit den Bildern ist wohl mein Fehler. Ich gehe immer über die Leiste oben, um es korrekt einzubinden, aber, es geht viel einfacher: kopieren, dann einfügen, fertig!!!! Man, bin ich veraltet im Kopf!!! Peinlich :)

Schönen Restsonntag noch und hey, keiner ist perfekt und es ginge uns allen besser, wenn man es nicht verbergen würde.

Freitag, 22. Mai 2026

Abrechnung

Ich habe gerade geduscht, dabei Musik gehört und als der Song „Als du gingst“ von Lina Maly kam, habe ich einen furchtbaren Heulkrampf bekommen.

Auch jetzt, wenn ich das schreibe, muss ich direkt wieder anfangen.

Warum?

Das Lied handelt von Abschied und was bleibt.

Ich hasse es. Ehrlich. Ich habe zu viele Menschen, Tiere, Seelen verabschieden müssen.

Ich bin so müde davon.

Man bleibt übrig.

Nicht missverstehen, ich lebe gerne, wirklich, aber alle gehen, man bleibt übrig.

Ich schaue oft in den Himmel und frage mich, ob sie uns zusehen. Ob sie über uns reden, unser Tun kommentieren, wie bei einer Soap und schreien: „NEIN! TU DAS NICHT, DAS IST EINE DUMME ENTSCHEIDUNG!!!“ und den Kopf schütteln, weil wir sie nicht hören können und es doch tun.

Ich stelle mir gerne vor, wie sie vereint sind, Zwei- und Vierbeiner, allen geht es gut und alles ist friedlich.

Wie sie auf uns warten und stolz sind, weil wir weitermachen, egal wie es uns damit geht. Wie sie sich freuen, wenn wir nach ihrem großen Verlust das erste Mal wieder einen Glücksmoment erleben können und sie uns kleine Hinweise schicken, wie auch immer sie aussehen mögen und Luftsprünge machen, wenn sie von uns bemerkt werden.

Trotzdem gibt es da unendlich oft diese Momente, in denen ich innehalte und mich so verlassen von ihnen fühle. So alleine gelassen. So zurückgelassen. Dann bin ich auch regelrecht wütend und sauer auf sie. „Wie konntest du mich in dieser rauen, unerbittlichen Welt alleine lassen?!?“

Die meiste Zeit, wenn ich an sie denke, versuche ich sie allerdings als meinen Fanclub zu sehen. Wie sie mich anfeuern und sich mit mir freuen.

Gerade eben war aber wieder einer dieser verlassenen Momente.

Wo ich wütend war.

Am 14.4. haben wir Nele verabschiedet. Der Hund meiner Schwester. Ihre „Restschuld“. Wieder eine Aufgabe, die ich für sie zu erledigen hatte. Die letzte davon. Und die schönste von allen.

Nun sind sie wieder vereint.


Ich habe eine weitere Lücke zu bewältigen.

Wieder die Frage, ob es der rechte Moment war oder zu früh. Zu spät, das denkt man nie.

Es war der letzte Rest meiner Schwester.

Nun sitzen sie alle irgendwo zusammen und feuern mich weiter an, hoffe ich, denke ich.

Es war und ist nicht nur ein Abschied von Nele, sondern auch von meiner Schwester und dann fügen sich alle anderen Abschiede zuvor mit an. Man denkt an Nele, an Uschi, dann folgt ein roter Faden von Abschieden.

Nele war nie nur eine Aufgabe. Sie war ein fantastischer Abschluss. Eine der schönsten Persönlichkeiten, die mein Leben begleitet haben und ich bin dankbar dafür. Ich bin immer dankbar für die schönen Momente, die tolle Zeit miteinander. Ich denke, dass man diese ganze Freude und das Glück hinterher mit der Trauer bezahlen muss. Das ist der Preis. Der Schmerz hinterher.

Nach Tabitha wollte ich keinen Hund mehr. Ehrlich, es tat so weh, dass ich mir geschworen habe, dass ich mir das nicht nochmal antun werde.

Dann kam meine Schwester an und erzählte mir, dass sie einen kleinen Welpen hat. Ein Mädchen. Eine Nele. Wir haben zusammen geweint, als die kleine Nele mal alleine bleiben musste und alle Klamotten zerbissen und zerstört hat, alle Ladekabel, alle möglichen anderen Dinge und von Uschi die Frage kam: „Ich schaffe das nicht mehr! Ich kann das nicht mehr! Meinst du, dass es irgendwann besser wird? Dass es anders wird?“

Ich möchte ehrlich sein. Bevor sie Nele hatte und von der Idee erzählte, hatte ich große Zweifel. Damit war ich nicht alleine. Viele sagten es offen heraus. Ein Welpe ist für laufende Menschen schon eine große Herausforderung, aber mit Rollstuhl und ihrem Charakter …

Wir sprachen in dem Moment, als sie so verzweifelt war, über Pubertät und Teenager. Sie heulte sich aus, es ging weiter und es folgten natürlich bessere Zeiten.

Ich bekam Nele als ältere Dame, mit weit über neun Jahren. Mir wurde gesagt, dass sie lieb ist, gut hört, ein paar Tricks kann und ein toller Hund ist.

In manchen Situationen merkte man, dass sie von einer Rollstuhlfahrerin erzogen wurde, was uns zum Lachen brachte, auch Jahre später noch.

Sie hob gerne Dinge auf. Das hatte Uschi ihr mühsam beigebracht und saß so gut, dass sie es wirklich voller Stolz und Inbrunst machte. Es war ihr sehr wichtig. Doch sie hob alles genau so hoch auf, wie eine Rollstuhlfahrerin ihre Hand hebt. Wir mussten uns also bücken und es erinnerte uns immer an Uschi und ließ uns lächeln.

Überhaupt fand Nele ihre Hauptaufgabe darin, uns Freude zu bereiten. Das war ihr wirklich sehr wichtig. Sie wollte immer alles richtig machen und schaute uns dabei immer an, um sich zu vergewissern und wenn sie merkte, dass wir uns freuen, dann freute sie sich mit.



Beim Spazierengehen schaute sie alle paar Meter zurück, ob wir auch wirklich folgen, ob wir auch wirklich mitkommen, als wäre es mal anders gewesen. Selbst mit Leine. Egal, sie musste sich vergewissern und wehe, einer stand im Weg und sie konnte nicht kontrollieren, ob der andere wirklich noch dahinter ist! Dann musste sie erst recht nachsehen.

Oder ihre Rolle als „Rudelführer Nele“, wie wir es scherzhaft nannten, wenn sie partout einen anderen Weg gehen wollte und wir sie natürlich gewähren ließen, weil es ihr Spaziergang war und sie sich freute, dass wirklich sie den Weg für alle bestimmen durfte! Natürlich gab es mal Ausnahmen, aber umso mehr freute sie sich dann, wenn es doch wieder funktionierte und alle ihr folgten.

Jeder musste begrüßt werden, egal ob Mensch, Hund, Katze … alles und jeder und wenn die Person, das Wesen nicht von einer Nele begrüßt werden wollte, dann machte sie es umso enthusiastischer und wilder, um zu überzeugen, dass es nichts Tolleres gibt, als von einer Nele begrüßt zu werden. Besondere Opfer waren dann Menschen, die Angst vor Hunden haben, wobei sie da sogar der einen oder anderen Person helfen konnte, durch ihre lustige, tollpatschige Art!

Es war uns wirklich eine Ehre, die kleine Nele ein Stück auf ihrem Weg begleiten zu dürfen.

Anders kann ich es nicht ausdrücken.

Ursprünglich, als ich Nele noch nicht kannte und meine Schwester ins Krankenhaus musste und ich ahnte, dass sie nicht mehr viel Zeit hat, sah ich nur die Wichtigkeit, dass meine Schwester in Ruhe krank sein konnte, dann am Ende auch gehen konnte, mit der Gewissheit, dass es ihrer Nele gut gehen wird und sie sich keine Sorgen machen muss.

Denn eigentlich und das wusste sie, wollte ich keinen Hund mehr nach Tabitha, aber als sie von der Baby-Nele erzählte und mich fragte, ob ich denn Patentante sein möchte, da freute ich mich total darüber. Patentante war immer das Einzige, was ich mir noch vorstellen konnte. Näher wollte ich keinen Hund an mich ranlassen. Wir hatten ohnehin geplant, dass Nele mal Urlaub bei uns macht und von klein auf wurde Nele mit PET-Flaschen gemobbt und gefoppt, damit sie lernt, wenn Kinder mit irgendwas auf sie draufhauen, dann ist das ein Spiel und lustig und kein Grund für eine aggressive Reaktion, so dass meine Kinder, die damals noch klein waren, garantiert nicht gebissen werden würden, falls sie mal grob werden sollten. Lustig, denn meine Kinder hätten das nie gemacht, aber es gab ein Gefühl von Sicherheit. Und natürlich sprachen wir darüber, wenn Uschi mal länger ins Krankenhaus müsse, dass ich die kleine Nele dann abholen würde. Sie hatte mir erzählt, wie wichtig es ihr ist, dass ich, wenn was sein sollte, direkt runterfahre und sie einsammeln soll. Es wäre alles geklärt, jeder wüsste Bescheid.

Soweit kam es nicht und ich hatte immer nur mit einem längeren Krankenhausaufenthalt gerechnet. Hätte mir damals jemand erzählt, dass meine Schwester nicht mehr ein ganzes Hundeleben lang leben würde … es ist gut, dass wir das nicht vorher wissen.

Ich habe getan, was eine gute Patentante tut.

Mein Job ist erledigt.

Ich habe sie wieder an Uschi „übergeben“.

Jetzt muss ich wieder lernen weiterzumachen. Wieder mit einem Verlust umzugehen, der mich sehr triggert und herausfordert.

Der mich mein Leben wieder überdenken lässt und eine Umstrukturierung zur Folge hat, denn als Rest, als das, was übrig bleibt, sammelt man sich neu und kann sich neu definieren.

Aber ich bin nicht der einzige Rest.


Luna (unsere Katze) zum Beispiel, die ist auch noch da, mit über 18 Jahren! Und das wird sie noch mindestens 82 Jahre lang, weil die Kinder ihr immer erzählt haben, dass sie mindestens 100 wird oder sogar nie sterben darf und das hat sie sich zu Herzen genommen und hält sich auch daran, sprintet jeden Morgen wie eine Jungkatze herum und hat keinerlei Gebrechen.

Im Übriggebliebensein vereint.

Kinder sind ausgezogen, führen ihre eigenen Leben.

Leseratte ist dazugekommen und somit auch ein Teil vom Rest.

Bringt sogar neue Cheerleader mit, die uns zujubeln, da oben oder wo auch immer sie sich befinden.

Sie sind sicher stolz auf uns.

Wie wir Tag für Tag meistern.

Schritt für Schritt.

Ohne sie.

Aber im Herzen bleiben sie immer bei uns.



Freitag, 1. Mai 2026

Bucket List Haken

Herzlich willkommen zurück, nach so langer, langer Zeit.

Setz dich erst einmal in Ruhe hin, genieße einen Iced Coffee, das Wetter schreit geradezu danach, und mach es dir gemütlich. Atme mal tief durch und genieße den Moment.

Ich habe schon wieder, mal wieder, ewig nicht geschrieben, aber nun gab es sogar sehr gute Gründe dafür!

Wer mich ein wenig kennt, weiß, dass ich seit über 15 Jahren Build-a-Bear-Fan bin! Großer Fan!

Als ich damals meine FAP-Diagnose bekam und erkannte, dass eine Zeit angebrochen ist, in der es nie mehr ohne Krankenhausaufenthalte gehen würde, fand ich meine Passion :)

Eigentlich wollte ich lediglich für meine Kinder je einen Teddy machen. Sie bekamen eine Sprachnachricht von mir in die Pfote: „Ich hab dich lieb, mein Schatz / mein Engel, schlaf gut und träume süß!“

Ich selber gönnte mir eine Pawlette und von meinem nun Ex-Mann eine Sprachnachricht, auf der er sagte, dass er mich liebt.

Als ich fortan regelmäßig ins Krankenhaus musste und bedeutend weniger zu Hause war, waren unsere Plüschtiere Gold wert! Ihre Bedeutung wuchs, gerade für mich, umso schlechter es mir ging.

Jayne, wie meine Pawlette getauft wurde, kam immerzu mit. Sie hatte ihr eigenes Krankenhaus-Outfit und war sogar mit im OP dabei, auf der Intensivstation, überall.

Mal wachte ich auf, und sie hatte Handschuhe angezogen bekommen und andere süße kleine Scherze.

Leider schlossen nach und nach die Build-a-Bear-Shops, und ich kaufte nur noch Secondhand, bis ich für Leseratte einen Teddy erstand und ihm zwar Sachen genäht hatte, aber noch mehr wollte.

Als es nur um mich ging, kam ich nicht auf die Lösung. Allerdings, als es um seinen Teddy ging, da hatte ich einen Geistesblitz. Ich kenne eine Stewardess! Ich bat sie doch bitte, wenn sie wieder in Amerika ist, einmal in einem Store vorbeizuschauen. Im Internet hatte ich mir schon zusammengesucht, was ich uuuuunbedingt brauchte, unter anderem die Game-Controller! Und sie war so lieb, sie schickte mir lauter Bilder und fragte, was ich noch möchte. Es war toll! Zwar war ich nicht selber vor Ort, jedoch ein kleines bisschen schon irgendwie :)

Lustigerweise schnappte ihr ein Junge den letzten Controller vor der Nase weg, und das war ein sehr glücklicher Zufall, denn so lernte ich die Build-a-Bear-Community bei Facebook kennen und lieben. Jemand, ein sehr lieber Mensch, bestellte mir in England den Controller und noch ein paar Kleinigkeiten, und daraus entstand eine schöne Freundschaft, die ich nicht missen möchte, und eine kleine Teddysucht, denn so konnte ich neue Mitbewohner adoptieren, wie z. B. meine liebste Holly!



Ich bekam eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, und als ich heraus war, rief ich sofort Leseratte an und erklärte, dass das eh nichts wird. Ich war mir zu 100 % sicher.

Tja, bis eine Mail mit meinem Vertrag kam. Ich konnte es nicht glauben! Ich ging wirklich die ganze Zeit davon aus, dass ich nicht genommen werde. Ich habe keine Erfahrung vorzuweisen, außer meine Liebe zur Marke, zu den Teddys, dass ich den Umgang mit Kindern und Menschen allgemein liebe und so viel zu geben habe. Ich war dankbar, total glücklich und dachte mir, egal wie es läuft, ich war wenigstens dabei!

Diese Einstellung behielt ich auch, selbst als ich Vollzeit arbeitete und jeden Abend einfach nur müde ins Bett fiel, während mir wirklich mein gesamter Körper, jeder Millimeter, schmerzte, weil ich es nicht gewohnt war, weil ich so viel tanzte und hüpfte, weil ich so gerne die Herzzeremonien machte.

Falls Du es nicht weißt: Build-a-Bear ist mehr als nur ein Spielzeuggeschäft. Du kommst rein, wirst freundlich begrüßt, es herrscht (sollte jedenfalls so sein) eine tolle Stimmung, und Du erschaffst deinen persönlichen Kuschelfreund, für ganz besondere Abenteuer, speziell für Dich zusammengestellt. Du wählst einen Kumpel aus, entscheidest Dich, was in ihn hinein soll, denn es kann eine Sprachnachricht sein von dir, einem Menschen, der Dir lieb ist und dabei ist, oder vom Handy aus eine Tonaufnahme, vollkommen egal! Oder einen Herzschlag oder ein leuchtendes Herz oder einen Duft, es gibt verschiedene. Danach füllst Du ihn mit jemandem vom Personal zusammen, und dann kommt die Herzzeremonie! Er wird zum Leben erweckt, und dafür muss man viel herumhampeln, tanzen, springen und Eigenschaften hineinlegen, die dir wichtig sind. Am Ende wird noch ein persönlicher Wunsch in Gedanken gesprochen, und schon kommt das kleine Stoffherz in deinen Plüschkumpel rein. Danach wird er verschlossen, und Du kannst ihn anziehen, es gibt jede Menge Klamotten und Accessoires. Am Ende bekommst Du sogar eine Geburtsurkunde!

Ich liebe das Konzept nach wie vor!

Ich war so glücklich!

Komplett k. o. und erschöpft, aber vollkommen zufrieden, und dafür bekam ich sogar noch Geld! Hobby zum Beruf gemacht, und mir wurde von allen Seiten, Kollegen, Kunden, andere Verkäufer aus benachbarten Geschäften, genau das gespiegelt, wie glücklich ich wirke und dass ich voll hinter der Sache stehe.

Leider kann es manche Menschen überfordern, und ich möchte nicht ins Detail gehen, nur so viel: Ich habe gekündigt. Ich ertrug einen gewissen Umgang nicht mehr und habe mich entschieden, auf meine mentale Gesundheit zu achten.

Schade.

Aber!

Vorher habe ich so viel von meiner Bucket List streichen können!

Ich habe meine eigenen Plüschies gefüllt!!!

Ich habe als Pawlette meine Pawlette geknuddelt!

Ich habe Kunden glücklich gemacht, mit ihnen gelacht, auch mal geweint, wurde stürmisch von Kindern geknuddelt, habe gesagt bekommen, dass sie unbedingt auch mal so werden wollen, und immer wieder, wie toll ich es mache und dass man merkt, wie glücklich es mich macht.

Das kann mir keiner nehmen.

Das ist unbezahlbar.

Das sind unauslöschliche Erinnerungen.

Dafür bin ich so dankbar!

Ich hatte leider keine Zeit mehr für andere Dinge. Ich stand morgens auf, machte mich fertig, bereitete mein Essen vor, fuhr los, arbeitete, fuhr abends heim, hatte kaum Energie zum Kochen selbst eine Pizza in den Ofen schieben kann anstrengend sein, und dann ging es schon ins Bett und von vorne los.

Ich habe mein eigenes Zimmer voller Utensilien. Wahrscheinlich bin ich mindestens so gut ausgestattet wie ein hauptberuflicher Künstler. Ich habe meine Malsachen, Nähsachen, tausende Bücher und nun wieder Zeit und hoffentlich Muse dafür :)

Mal sehen, was mir das Schicksal noch so ins Leben spült!

Ich bin wirklich sehr gespannt!


Und irgendwo da draußen lebt ein roter Dino mit meiner Stimmaufnahme, mit der ich der Besitzerin Mut mache, wenn sie gerade leider weniger an sich glauben kann, und das macht mich stolz!

Diese Momente erfüllen mich, wie es sonst kaum etwas kann.

Es war schön :)