Samstag, 7. November 2015

St. Martinszug mit Eis und T-Shirt

Also manchmal da kommt es schon vor, dass ich ein Rumpelstielzchen-Bedürfnis habe, soll bedeuten, ich würde gerne herum trampel, schreien, mich auf den Boden werfen und darin versinken, wie im Märchen. Mache ich nicht, geht eh nicht, sinnlos leider.

Heute ist wieder so ein Tag!

Da geht man all die Jahre zu St. Martinszügen und immer regnet es, hagelt es, schneit es, graupelt es, windet es, weht es, orkant es, kippt es, schüttet es, erfriert es und man leidet, während die Füße in den durchnässten Stiefeln einfrieren und man sich fragt, wie man das alles überleben soll und womit man das bloß verdient hat!

Dann kommt hier im Rheinland noch etwas schlimmeres! Man zieht um die Häuser, die Kinder erbetteln sich Süßes durch Gesang, meist lieblos dahingejammerte Laternenlieder, die Texte verstümmelt und durchlöchert, den Eltern wird ab und an ein Kurzer angeboten, man wird gemobbt, trinkt man keinen und das mehrere Stunden lang.

All die Jahre litt ich, legte ein fröhliches Gesicht auf, damit die lieben Kleinen ja nichts merken und machte gute Miene, zum bösen Spiel.

Klar macht es den Mini's Spaß und das gönne ich ihnen auch gerne, aber es bedeutet nicht, dass ich Spaß dabei haben muss! Ok... ein wenig Spaß hatte ich, jedenfalls bei den leuchtenden Kinderaugen, aber der ganze Rest... nein Danke!

So, dieses Jahr war es nun so weit!!!! Das erste mal seit gefühlten Jahrtausenden kein Martinszug mehr! Sobald die Kinder in der weiterführenden Schule sind, ist es vorbei und das habe ich dieses Jahr endlich geschafft und ich freute mich riesig und ich war so froh darüber, jedenfalls bis die Kinder begannen zu jammern, sie wollen doch noch uuuuuunbedingt zu einem Zug. Also haben wir diskutiert und uns geeinigt, dass wir ihn von einem schönen warmen Café aus betrachten werden und was ist nun?

Ich möchte noch einmal betonen wie sehr wir all die Jahre litten! Wie wir Erfrierungserscheinungen an allen Gliedmaßen hatten, wie uns die Nasen vor Nässe und Kälte abfielen, wie bei Michael Jackson, wie teilweise selbst hochprozentiges ein fror, weil es so bitterlich kalt war! Man kam Heim, spürte seine Finger, Nase und Zehen nicht mehr, bis das grausame Brennen begann, wenn die Durchblutung doch wieder einsetzt, es waren schlimme Zeiten die ich keinem anderen Menschen wünschen würde und was ist nun also dieses Jahr? Mollige 20 Grad!!! Das erste Jahr ohne Martinszug und wir haben 20 Grad!!!! Was will denn bitteschön das Universum damit sagen?

Manchmal würde ich gerne vor Wut wie ein Rumpelstielzchen im Erdboden versinken, oder doch wenigstens einen Wutanfall bekommen dürfen, wie ein drei jähriges Kind...




Keine Kommentare:

Kommentar posten