Samstag, 20. Februar 2016

Sport ist Mord?

Ich war nie sportlich, ich machte nie gerne Sport. Eigentlich begann es als Kind, ich hatte/habe einen Krummen Rücken, weil ein Bein ein wenig länger ist als das andere und dann hieß es bei allen Sportarten die ein Kind gerne machen würde, das ginge nicht und irgendwann hat man dann auch keinen Bock mehr.

So fand ich einfach nie einen Zugang zu Sport, aber ich fuhr gerne Rad und zb später brachte ich meine Kinder in die Grundschule und musste täglich ein gutes Stück latschen. Dann und wann fuhren wir auch mit dem Rad hier und dort hin, aber wirklich Sport treiben, nö.

Durch die ganzen OP's die ich hatte und die Narben wurde es auch nicht einfacher, aber ich nahm stetig immer ein wenig mehr zu. Vor meinen Schwangerschaften wog ich ganz von alleine um die 50 Kilo, aß wie ich Lust und Laune hatte und alles war gut. Bei jeder Schwangerschaft blieb ein wenig mehr auf den Hüften, dann hörte ich auch noch auf zu rauchen, das brachte dicke noch was dazu, da lag ich bei so hmm um die 62 Kilo, das weiß ich, weil ich bei einem Kindergeburtstag war, in einem Indoor Spielpark für Kinder, unter anderem mit einer Reihe von Trampolinen. Begeistert rannte ich hin und dort stand, man darf bis 60kg drauf und ich dachte mir das die 2kg mehr auch nichts machen und sprang auf den Trampolinen herum. So, das war ziemlich bald nach der Dickdarmentfernung bis auf 12cm und ich hatte dabei ein wenig verloren, aber das kam auch wieder drauf, doppelt und dreifach, ab da nahm ich nämlich stetig permanent ein wenig zu, nicht viel, aber es summiert sich nach und nach.

Ich habe Glück, denn ich nehme nicht an ein paar Stellen zu die dann fett aussehen, sondern überall gleichermaßen, so dass es immer noch gut proportioniert aussieht. Meinem Mann war es auch ganz recht *lach

Nun hatte ich ja noch mehr OP's und nicht nur das Gewicht nahm zu, sondern auch mein Unwohlsein bei Bewegungen. Ich wurde immer fauler, weil ich keine Lust mehr hatte mich zu bewegen, weil immer irgendwas weh tat und es kam dazu, dass kein Kind von mir mehr zur Grundschule ging und die weiterführende Schule einen großen Spaziergang überflüssig machte.

Es wurde aber vieles durch weniger Bewegung schlimmer, nur habe ich das nicht im Zusammenhang gesehen!
Mein Bauch tat an ein paar Nähten weh, also benutzte ich meine Bauchmuskeln weniger, hob nicht mehr so schwer (mache ich noch immer nicht) und dann taten sie weh, wenn man sich aufsetzt, nachdem man lag, sie taten weh wenn man ein längeres Stück laufen musste und so weiter, jedenfalls mag man ja Schmerzen nicht, also vermied man alles mögliche, damit es nicht mehr weh tat.

Dann klappte es mit meiner Verdauung nicht mehr, zwar ist die ohne Dickdarm eh nicht sooo dolle, aber ich rannte wirklich sehr, sehr oft aufs Klo, auch nachts mind. einmal, eher dreimal und konnte kaum noch richtig schlafen, alles lief aus dem Ruder!

Als ich mich dann im Spiegel sah dachte ich mir nur, wann kommt der Zeitpunkt, bei dem ich mich dazu entschließe abzunehmen? Wann fühle ich mich nicht mehr wohl in meinem Körper?

Eigentlich dachte ich immer, so lange die Hupen weiter abstehen als der Bauch, ist alles in Ordnung! Aber das stimmt so nicht, denn das war noch der Fall, weil ja alles prozentual quasi gleich wuchs, aber dennoch gefiel ich mir nicht mehr, weil ich einfach zu viel war. Also stellte ich mich auf die Waage, das war in den Weihnachtsferien glaube ich und ich hatte etwa 78 Kilo! Wow! Selbst in meiner letzten Schwangerschaft wog ich nicht so viel!

Also versuchte ich weniger zu essen, von der Menge und weniger zu naschen, aber mir fiel auf das ich eigentlich nicht soooooo viel esse und nicht einmal täglich was Süßes und wenn, dann nicht in Massen, also wie andere die erzählen das sie eine Tüte Chips verdrücken, oder eine Tafel Schokolade, ich habe immer nur kleine Mengen gefuttert, aber ich achtete gerade wegen Weihnachten und Silvester mehr darauf. Auf der Waage brachte das wenig und ich fragte mal herum, wer von den Dickdarmlosen noch so Probleme hatte und siehe da, ich war nicht alleine! Ganz im Gegenteil, die meisten nahmen nicht gerade wenig zu nach der OP und aßen nicht sehr viel. Eine schrieb sogar sie isst sehr wenig und macht viel Sport und kann nur so ihr Gewicht halten.

Also achtete ich von da an mehr darauf öfter zu laufen, Rad zu fahren oder mal nordic walken zu gehen, aber ganz ehrlich, auch das brachte nun nicht sooo viel, ich habe glaube ich nichts abgenommen, jetzt weiß ich auch das das nicht soooo viel Bewegung war, als das es ins Gewicht gefallen wäre, denn ich habe noch einige Fehler gemacht, aber mir ging es körperlich nicht gut, ich war dauermüde sondergleichen und die nächtliche Klorennerei war nicht gerade förderlich.

Ich kaufte mir jetzt vor etwa 3,5 Wochen einen ganz einfachen Fitness Tracker, der mit einer App arbeitet, bei der man das Training eintragen kann und was man so futtert. Anfangs bestimmt man noch was man wiegt und was man gerne wiegen möchte und er rechnet dann aus, was man sich an Kalorien täglich einsparen sollte, bei mir sind es etwas mehr als 300 und was man verbraucht und zeigt dann, wenn man einträgt was man gegessen hat, wieviel man noch essen darf. Wenn man dazu noch einträgt was man an Sport machte, wie lange und wie anstrengend es war, dann errechnet er daraus den Kalorienverbrauch und rechnet das zu den Kalorien dazu, die einem zur Verfügung stehen.

Das war das erste mal das ich mich überhaupt mit Kalorien beschäftigte!

Mir wurde da bewusst, warum ich trotz weniger essen und mehr Bewegung nicht abnehmen konnte, denn was verträgt ein Dickdarmloser am ehesten? Fleisch, Fisch und Beilagen, aber Gemüse und Obst eher weniger, also verzichtet man da gerne drauf, um sich einen wunden Po zu ersparen und Blutungen.

Auch trank ich immer super gerne einen white Chocolate Mocha, zwar mit Soyamilch, aber schaut Euch bei Zeiten mal die Kalorientabelle an, das bringt nun nicht soooo viel.

Also stellte ich mich weiter um und aß trotz allem mehr Gemüse (Obst mag ich nicht so gerne, außer so etwas wie eine Pomelo, Blutorangen oder dergleichen) und meine Portion Fleisch/Fisch blieb und ich schrenkte meinen Nudel/Reis/Kartoffelkonsum sehr ein, auch habe ich ab da permanent alle 2 Tage Sport betrieben, ja wohl, ich! Das heißt ich ging mind 45min nordic walken, oder fuhr mind 1h Rad, oder machte was auf meinem Wii Bord, egal was, Hauptsache ich machte meinen Sport und ich sage Euch, es war hart, mir taten die Narben weh, ich konnte mich gerade anfangs danach kaum bewegen, weil alles weh tat und ziebte und zog, ich hatte mit meiner Engstelle im Darm Probleme, aber es dauerte wirklich nicht lange und ich merkte das ich weniger aufs Klo muss und das auch meine Narben wieder weniger weh taten und ich auch das Gemüse besser vertrug.

Ich achtete ab da auch sehr auf Zuckerzeug wie in Getränken und verzichtete zb auf Zucker im Tee, zwar nahm ich davor wenig Zucker, nicht einmal einen Teelöffel für eine Tasse, aber dann dachte ich mir, die kann man sich auch sparen und ich entdeckte meine Liebe zu Ingwer! Man kann ihn geschält einfach in eine Flasche Wasser packen, mit oder ohne einen Stengel Minze oder einem Schuß Zitrone, egal! Es schmeckt, wenn man ihn in kaltes Wasser macht und wenn man ihn intensiver möchte oder seine volle Wirkung, kann man ihn auch mit gekochtem Wasser überschütten, was man dann abkühlen lassen kann, wenn man mag, also Ingwer ist super :D

So und was soll ich sagen? Ich hatte immer ganz neidisch auf Jogger geschaut, ehrlich, wenn die so herum flitzen und man sie reden hört, wie entspannend laufen ist und wie gut es tut, ich wollte immer joggen lernen, aber ich war so unfit und dann tat mir ja auch immer der Bauch weh! Nun habe ich vor ein paar Tagen gedacht, ich probiere es, fertig! Also habe ich meinen Numbat Bauchgurt geschnappt und laut Trainingsplan meine erste Runde von 16min gedreht, 2min laufen, 2min gehen im Wechsel und was soll ich sagen, es ging! Zwar musste ich schnaufen, aber ich habe es geschafft! Leider hatte es -3 Grad und schneite, so dass ich mich was erkältet habe und kommende Woche zur Magen- und Dünndarmspiegelung muss, so dass ich es nun verschoben habe weiter zu machen mit joggen, aber ich halte nun seit mind. 4 Wochen an meinem Sport alle 2 Tage fest, an meine Ernährung und esse im Schnitt 500 Kalorien weniger, als ich verbraucht habe und sehe nun nach und nach lauter Vorteile!

Mein Bauch tut weh wenn ich die Bauchmuskeln anspanne, aber nicht mehr, wenn ich Sport mache, weil ich ja darauf achte das es nicht auf die Bauchmuskeln geht. Aber er tut bei weitem nicht mehr so weh wie früher! Ich kann nachts durch schlafen und muss wesentlich seltener auf die Toilette! Herrlich sage ich Euch und ich bin stolz auf mich, weil ich endlich abnehme und vorher dachte, das geht nicht, mein Körper hat verlernt abzunehmen! Ehrlich, ich dachte es würde nie nie niiiieee klappen!

Ich kann sagen, ich habe bis heute etwa 1,8 Kilo abgenommen, nicht die Welt, aber ich habe das ganze nun erst um die vier Wochen am Laufen und baue Muskeln nebenher auf, denn das sieht man nun auch langsam :) zb habe ich mir vor einer Woche oder so einen Bauchwärmer genäht und dabei den Bauch vermessen. Am Brustkorb sind es 1cm weniger, an der Taille 3cm und an der Hüfte 2cm. Bei meinem Brustkorb, wo der Rippenbogen auseinander geht, bildet sich langsam eine Rille und ich fühle mich wohler, aber vor allem finde ich toll, dass ich das Essen so gut vertrage, weniger Schmerzen habe und seltener aufs stille Örtchen muss, ich bin so positiv überrascht davon!

Klar ist es nicht immer einfach, denn müde bin ich so schrecklich wie vorher, aber ich nutze zb den morgendlichen Schwung, wenn ich meine Kinder fertig mache und sie aus dem Haus gehen, dann ist normalerweise der Zeitpunkt, bei dem ich entspannt habe, aber jetzt mache ich erst meinen Sport und das klappt wunderbar! Zwar bin ich danach so fertig und müde wie sonst was, aber das ist egal, dann habe ich es ja hinter mir :)

Ich bin gespannt wie es weiter geht und hoffe das die positiven Seiten bleiben. Auch freue ich mich schon auf das Joggen nach den Untersuchungen, denn das ist ein Traum, den ich seit Jahren habe!

Ich dachte wirklich vorher das ich nie nie nie nie abnehmen würde und das ich es höchstens schaffen würde nicht weiter zuzunehmen, aber ich bin glücklich und ich denke mit etwas Disziplin kann das jeder. Man muss sich halt wirklich überlegen was einem wichtig ist! Wenn ich zb lese das ein Esslöffel Remoulade so viele Kalorien hat, wie ein halber kleiner Pudding, dann muss ich die Remoulade nicht haben, dann ist es mir das mal ganz einfach nicht wert! Und wenn es wie immer bei uns freitags Pizza gibt, dann war ich vorher eben 2h Rad fahren, habe die frische Luft genossen, bin stolz das ich es geschafft habe und genieße meine Pizza, die ich mir verdient habe und habe danach sogar noch Kalorien übrig, weil ich so viele beim Radeln verbraucht habe :)

Ich will nicht super schlank werden, aber ich will mich wohl fühlen und alles anziehen können, was ich mir wünsche und vor allem will ich, dass ich weiter weniger Schmerzen habe, seltener auf den Pott muss und wieder Gemüse essen kann, was ich möchte :)



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